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5 (1839)
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Abhandlungen über die Fabel.

allegorisch zu machen; und man kann sicher glauben, eineschleckte Fabel gemacht zu haben. Ist aber eine schlechte Fabeleine Fabel? Ein Exempel wird die Sache in ihr völli-ges Licht setzen. Ich wchle ein altes, um ohne MißgunstRecht haben zu können. Die Fabel nehmlich von dem Mannund dem Satyr.Der Mann bläset in seine kalte Hand,um seine Hand zu wärmen; und bläset in seinen hcisscn Brey,um seinen Brey zu kühlen. Was? sagt der Satyr; du blä-scst aus einem Munde Warm und Kalt? Geh, mit dir magich nichts zu thun haben!*" Diese Fabel soll lehren, »r-,

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^-o-l?; die Freundschaft aller Zweyzünglcr, aller Doppellcute, al-ler Falschen zu fliehen. Lehrt sie das? Ich bin nicht der ersteder es leugnet, und die Fabel für schlecht ausgicbt. Richer*"sagt, sie sündige wider die Richtigkeit der Allegorie; ihre Mo-ral sey weiter nichts als eine Anspielung, und gründe sich aufeine blosse Zweydeutigkeit. Richer hat richtig empfunden, aberseine Empfindung falsch ausgedrückt. Der Fehler liegt nichtsowohl darinn, daß die Allegorie nicht richtig genug ist, sonderndarinn, daß es weiter nichts als eine Allegorie ist. Anstattdaß die Handlung des Mannes, die dem Satyr so anstössigscheinet, unter dem allgemeinen Subjecte des Lehrsatzes wirklichbegriffen seyn sollte, ist sie ihm bloß ähnlich. Der Mann solltesich eines wirklichen Widerspruchs schuldig machen; und derWiderspruch ist nur anscheinend. Die Lehre warnet uns vorLeuten, die von ebenderselben Sache sa und nein sagen, dieebendasselbe Ding loben und tadeln: und die Fabel zeiget unseinen Mann, der seinen Athem gegen verschiedene Dinge ver-schieden braucht; der auf ganz etwas anders itzt seinen Athemwarm haucht, und auf ganz etwas anders ihn itzt kalt bläset.

Endlich, was läßt sich nicht alles allegorisiren! Man nennemir das abgeschmackte Mährchcn, in welches ich durch die Alle-gorie nicht einen moralischen Sinn sollte legen können!Die

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