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5 (1839)
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Abhandlungen über die Fabel.

Diese Fabel zeiget, daß keine Kreatur weniger in der Zucht zuhalten ist, als eine Ziege"." Eine wichtige Wahrheit! Nie-mand hat die Fabel schändlicher gemißhandelt, als dieser -Hol-der«. ! Und es. mißhandelt sie jeder, der eine andere als mo-ralische Aehre darum vorzutragen, sich einfallen läßt.

Richer.

Richer ist ein andrer französischer Fabulist, der ein wenigbesser crzchlct als de la Motte, in Ansehung der Erfindungaber, weit unter ihm stehet. Auch dieser hat uns seine Gedan-ken über diese Dichtungsart nicht vorenthalten wollen, und er-klärt die Fabel durch ein kleines Gedicht, das irgend eineunter einem allegorischen Zdilde versteckte Regel enthalte"".

Richer hat die Erklärung des de la Motte offenbar vorAugen gehabt. Und vielleicht hat er sie gar verbessern wollen.Aber das ist ihm sehr schlecht gelungen.

Wn kleines Gedicht? (k»oome) Wenn Richer das We-sen eines Gedichts in die blosse Fiction setzet: so bin ich es zu-frieden, daß er die Fabel ein Gedicht nennet. Wenn er aberauch die poetische Sprache und ein gewisses Sylbcnmaaß, alsnothwendige Eigenschaften eines Gedichtes betrachtet: so kannich seiner Meinung nicht seyn. Ich werde mich weiter untenhierüber ausführlicher erklären.

Eine Regel? (proccptv) Dieses Wort ist nichts bestimm-ter, als das Wort K.ehre des de la Motte. Alle Künste,alle Wissenschaften haben Regeln, haben Vorschriften. Die Fa-bel aber stehet einzig und allein der Moral zu. Von einerandern Seite hingegen betrachtet, ist Regel oder Vorschrift hierso gar noch schlechter als L.chre; weil man unter Ncgcl undVorschrift eigentlich nur solche Sätze verstehet, die unmittelbarauf die Bestimmung unsers Thuns und Lasscns gehen. Vondieser Art aber sind nicht alle moralische Lehrsätze der Fabel.Ein grosser Theil derselben sind Erfahruiigssätzc, die uns nichtsowohl von dem, was geschehen sollte, als vielmehr von dem,was wirklich geschiehet, unterrichten. Ist die Sentenz:

° Moralische Fabeln des Baron von Holbcrgs S. 103."° I.» ?,il)lv e5i un nelit ?oeme qui cviitlc»! un xreceple caclw sousv»e imkxe sIIeZoriliue, «oul-c//e5 /^'e/ace /». S.