I. Von dem Wcsc» der Fabel.
In priiiclvatu eommutancko elvium
I^il prseter clomlni nomen mutant panpvros;eine Regel, eine Vorschrift? Und gleichwohl ist sie das Resultateiner von den schönsten Fabel» des Phadrus °. Es ist zwarwahr, aus jedem solchen Erfahrungssatze können leicht eigent-liche Vorschriften und Regeln gezogen werden. Aber was indem fruchtbaren Satze liegt, das liegt nicht darum auch in derFabel. Und was müßte das für eine Fabel seyn, in welcherich den Satz mit allen seinen Folgerungen auf einmal, an-schauend erkennen sollte?
Unter einem allegorischen Bilde? — Ueber das Allegori-sche habe ich mich bereits erkläret. Aber Bild! (ImsZo) Un-möglich kann Richer dieses Wort mit Bedacht gcwehlt haben.Hat er es vielleicht nur ergriffen, um vom de la Motte lieberauf Gerathcwohl abzugehen, als nach ihm Recht zu haben? —Ein Bild heißt überhaupt jede sinnliche Vorstellung eines Dingesnach einer einzigen ihm zukommenden Veränderung. Es zeigtmir nicht mehrere, oder gar alle mögliche Veränderungen, derendas Ding fähig ist, sondern allein die, in der es sich in einemund ebendemselben Augenblicke befindet. Zn einem Bilde kannich also zwar wohl eine moralische Wahrheit erkennen, aber esist darum noch keine Fabel. Der mitten im Wasser dürstendeTantalus ist ein Bild, und ein Bild, das mir die Möglichkeitzeiget, man könne auch bey dem größten Ucbcrflussc darben.Aber ist dieses Bild deswegen eine Fabel? So auch folgendeskleine Gedicht:
l^urlll voloei penclons in novaoula,
Oalvus, eomosa fronte, nuclo eornoro,
Huem 5i oceunmis, tvooss; olaptum femvl
Non iple pollit ^uniter ropreliendere;
Occasionom rerum lignilieat drevvm.IZKoctus impoäiret n<z leFnis inora,
?inxoro snticzui talvm efsiFiem temporis.Wer wird diese Zeilen für eine Fabel erkennen, ob sie schonPhödrus als eine solche unter seinen Fabeln mit unterlaufen
° I.ibr. l, ?!»>. IS,L-Mngs Wcrke v.
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