372 Abhandlungen über die Fabel.
-Heilige mit dem Unheiligen, das Gute mit dem Bösen inkeiner Gemeinschaft stehen soll. Aber was tragen alsdcnn dieübrigen Theile der Erzchlung zu diesem Bilde bey? Zu diesemgar nichts; sondern ein jeder ist vielmehr das Bild, der einzelneFall einer ganz andern allgemeinen Wahrheit. Der Dichter hates selbst empfunden, und hat sich aus der Verlegenheit, welcheLehre er allein daraus ziehen solle, nicht besser zu rcisscn ge-wußt, als wenn er deren so viele daraus zöge, als sich nurimmer ziehen liessen. Denn er schließt:
Huot res contineat Iioe si-Anmontum utilos,
Aon explicakit slius, tzusm <jui rep^vrit.
8!^nilieat primo, Kops, huos lptv nlnerk,
l'llu invoniii insximo coritiarios.
Loeunllo oKonclit, teolei^ non ira Doüm,
?atorum clieto 5ec1 ^,unlr! tomnare.
Aovisl'imo lutorclieit, no cum in-tlolieo
Illum »onus conkooiet ullius rvi.Eine elende Fabel, wenn niemand anders als ihr Erfinder eserklären kaun, rvie viel nützliche Dinge sie enthalte! Wir hät-ten an einem genug! — Kaum sollte man es glauben, daßeiner von den Alten, einer von diesen grossen Meistern in derEinfalt ihrer Plane, uns dieses Histörchen für eine Fabel * ver-kaufen können.
Breitn, ger.
Ich würde von diesem grossen Kunstrichtcr nur wenig gelernthaben, wenn er in meinen Gedanken noch überall Recht hätte.— Er giebt uns aber eine doppelte Erklärung von der Fabel"*.Die eine hat er von dem de la Motte entlehnet; und die an-dere ist ihm ganz eigen.
Nach jener versteht er unter der Fabel, eine unter Serrvohlgerathenen Allegorie einer ahnlichen -Handlung verklei-dete Achre und Unterweisung. — Der klare, übersetzte de laMotte! Und der ein wenig gewässerte: könnte man noch dazu-sitzen. Denn was sollen die Beywörter: wohlgcrachcne Alle-gorie; ahnliche Handlung? Sie sind höchst überflüssig.
° pliaear»» libr. IV. rsd. tt.
" Der Critischen Dichtkunst, erste» Bandes siebender Abschnitt, S. 194.