I. Von dem Wesen der Fabel.
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ein Wort von einem weitem Umfange suchen und sagen, derallgemeine Satz werde durch die Fabel auf einen einzeln Fallzurückgeführet. Dieser einzelne Fall wird allezeit das seyn,was ich oben unter dem Worte Handlung verstanden habe; dasaber, was Zöattcur darunter verstehet, wird er nur Sann undroann seyn. Er wird allezeit eine Folge von Veränderungenseyn, die durch die Absicht, die der Fabulist damit verbindet,zu einem Ganzen werden. Sind sie es auch ausser dieser Ab-sicht; desto besser! Eine Folge von Veränderungen — daß esaber Veränderungen freyer, moralischer Wesen seyn müssen,verstehet sich von selbst. Denn sie sollen einen Fall ausmachen,der unter einem Allgemeinen, das sich nur von moralischenWesen sagen läßt, mit begriffen ist. Und darinn hat Äattcuxfreylich Recht, daß das, was er die Handlung der Fabel nennet,bloß vernünftigen Wesen zukomme. Nur kömmt es ihnen nichtdeswegen zu, weil es ein Unternehmen mit Absicht ist, sondernweil es Freyheit voraussetzt. Denn die Freyheit handelt zwarallezeit aus Gründen, aber nicht allezeit aus Absichten.--
Sind es meine Leser nun bald müde, mich nichts als wi-derlegen zu hören? Ich wenigstens bin es. De la XNottc, Ri-cher, Vreiringer, Zdanerix, sind Kunstrichtcr von allerley Art;mittelmäßige, gute, vortreffliche. Man ist in Gefahr sich aufdem Wege zur Wahrheit zu verirren, wenn man sich um garkeine Vorgänger bekümmert; und man versäumet sich ohne Noch,wenn man sich um alle bekümmern will.
Wie weit bin ich? Huy, daß mir meine Leser alles, wasich mir so mühsam erstritten habe, von selbst geschenkt hätten! —Zn der Fabel wird nichr eine jede Mahrheit, sondern ein all-gemeiner moralischer Satz, nicht unter Sie Allegorie einer-Handlung, sondern auf einen einzeln Fall, nicht versteckt oderverkleidet, sondern so zurückgeführet, daß ich, nichr bloß einigeÄhnlichkeiten mit dem moralischen Saye in ihm entdecke,sondern diesen ganz anschauend darinn erkenne.
Und das ist das Wesen der Fabel? Das ist es, ganz er-schöpft? — Ich wollte es gern meine Leser bereden, wenn iches nur erst selbst glaubte. — Ich lese bey dem Aristoteles °:
° ^risloleles klwlor. lidr. II. csp, 20.