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Abhandlungen über die Fabel.
„aus dem zerschmetterten Schcdcl springt. Das andere Zunge,„um das sie sich im geringsten nicht bekümmert hatte, war ihr„von selbst auf den Rücken gesprungen, hatte sich an ihre„Schultern angeklammert, und kam glücklich davon." — Hierist alles bestimmt; und was dort nur eine Parabel war, isthier zur Fabel geworden. — Das schon mehr als einmal an-geführte Beyspiel von dem Fischer, hat den nehmlichen Fehler;denn selten hat eine schlechte Fabel einen Fehler allein. DerFall ereignet sich allezeit, so oft das Netz gezogen wird, daßdie Fische welche kleiner sind, als die Gitter des Netzes, durch-schlüpfen und die grossem hangen bleiben. Vor sich selbst istdieser Fall also kein individueller Fall, sondern hätte es durchandere mit ihm verbundene Ncbcnumstände erst werden müssen.
Die Sache hat also ihre Nichtigkeit: der besondere Fall, auswelchem die Fabel bestehet, muß als wirklich vorgestellt werden;er muß das seyn, was wir in dem strengsten Verstände eineneinzeln Fall nennen. Aber warum? Wie steht es um die phi-losophische Ursache? Warum begnügt sich das Exempel der prak-tischen Sittcnlchrc, wie man die Fabel nennen kann, nicht mitder blossen Möglichkeit, mit der sich die Erempcl andrer Wis-senschaften begnügen? — Wie viel liesse sich hiervon plaudern,wenn ich bey meinen Lesern gar keine richtige psychologische Be-griffe voraussetzen wollte. Ich habe mich oben schon geweigert,die Lehre von der anschauenden Erkenntniß aus unserm Wcll-wciscn abzuschreiben. Und ich will auch hier nicht mehr davonbeybringen, als unumgänglich nöthig ist, die Folge meiner Ge-danken zu zeigen.
Die anschauende Erkenntniß ist vor sich selbst klar. Diesymbolische entlehnet ihre Klarheit von der anschauenden.
Das Allgemeine cxistiret nur in dem Besondern, und kannnur in dem Besondern anschauend erkannt werden.
Einem allgemeinen symbolischen Schlüsse folglich alle dieKlarheit zu geben, deren er fähig ist, das ist, ihn so viel alsmöglich zu erläutern; müssen wir ihn auf das Besondere rcdu-ciren, um ihn in diesem anschauend zu erkennen.
Ein Besonderes, in so fern wir das Allgemeine in ihmanschauend erkennen, heißt ein Erempcl.