Druckschrift 
5 (1839)
Entstehung
Seite
385
Einzelbild herunterladen
 

I. Von dem Wesen der Fabel.

386

Die allgemeinen symbolischen Schlüsse werden also durchExempel erläutert. Alle Wissenschaften bestehen ans dergleichensymbolischen Schlüssen; alle Wissenschaften bedürfen daher derExempel.

Doch die Sittcnlchre muß mehr thun, als ihre allgemeinenSchlüsse bloß erläutern; und die Klarheit ist nicht der einzigeVorzug der anschauenden Erkenntniß.

Weil wir durch diese einen Satz geschwinder übersehen, undso in einer kürzern Zeit mehr Bcwcgungsgründc in ihm ent-decken können, als wenn er symbolisch ausgedrückt ist: so hatdie anschauende Erkenntniß auch- einen weit grösscrn Einflußin den Willen, als die symbolische.

Die Grade dieses Einflusses richten sich nach den Gradenihrer Lebhaftigkeit; und die Grade ihrer Lebhaftigkeit, nach denGraden der nähern und mchrcrn Bestimmungen, in die dasBesondere gesetzt wird. Zc näher das Besondere bestimmt wird,je mehr sich darinn unterscheiden läßt, desto grösser ist die Leb-haftigkeit der anschauenden Erkenntniß.

Die Möglichkeit ist eine Art des Allgemeinen; denn alleswas möglich ist, ist auf verschiedene Art möglich.

Ein Besonderes also, bloß als möglich betrachtet, ist gc-wisscrmaasscn noch etwas Allgemeines, und hindert, als dieses,die Lebhaftigkeit der anschauenden Erkenntniß.

Folglich muß es als wirklich betrachtet werden und die In-dividualität erhalten, unter der es allein wirklich seyn kann,wenn die anschauende Erkenntniß den höchsten Grad ihrer Leb-haftigkeit erreichen, und so mächtig, als möglich, auf den Wil-len wirken soll.

Das Mehrere aber, das die Sittcnlchre, ausser dcr Erläute-rung, ihren allgemeinen Schlüssen schuldig ist, bestehet eben indicscr ihnen zu ertheilenden Fähigkeit auf den Willen zu wir-ken, die sie durch die anschauende Erkenntniß in dem Wirklichenerhalten, da andere Wissenschaften, denen es um die blosse Er-läuterung zu thun ist, sich mit einer geringern Lebhaftigkeit deranschauenden Erkenntniß, dcrcn das Besondere, als bloß mög-lich betrachtet, fähig ist, begnügen.

Lcslmgs Werk- v. 25