II. Von dem Gebrauche der Thiere in der Fabel.
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kömmt, führet eine Stelle des Aristoteles an, wo der Philosophdiesen Gebrauch billiget, und es zwar deswegen für rathsamererkläret, sich bey Einführung einer Fabel lieber auf das Alter-thum zu bcruffcn, als in der eigenen Person zu sprechen, damitman den Anschein, als crzehle man errvas unmögliches,vermindere. ?t«p«^^^o'uiv?'«l?o «6^>v«?'« ^.x-
^x-,v). War also das der Alten ihre Dcnkungsart, wolltensie den Schein der Unmöglichkeit in der Fabel so viel als mög-lich vermindert wissen: so mußten sie nothwendig weit davonentfernt seyn, in der Fabel etwas Wunderbares zu suchen, oderzur Absicht zu haben; denn das Wunderbare muß sich auf die-sen Schein der Unmöglichkeit gründen.
Weiter! Das Wunderbare, sagt Drcitinger an mehr alseinem Orte, sey der höchste Grad des Neuen. Diese Neuheitaber muß das Wunderbare, wenn es seine gehörige Wirkungauf uns thun soll, nicht allein bloß in Ansehung seiner selbst,sondern auch in Ansehung unsrer Vorstellungen haben. Nurdas ist wunderbar, was sich sehr selten in der Reihe der na-türlichen Dinge cräugnct. Und nur das Wunderbare behältseinen Eindruck auf uns, dessen Vorstellung in der Reihe unse-rer Vorstellungen eben so selten vorkömmt. Auf einen flcissi'gcnBibcllcser wird das größte Wunder, das in der Schrift aufge-zeichnet ist, den Eindruck bey weiten nicht mehr machen, denes das erstemal auf ihn gemacht hat. Er liefet es endlich miteben so wenigem Erstaunen, daß die Sonne einmal stille ge-standen, als er sie täglich auf und niedergehen sieht. DasWunder bleibet immer dasselbe; aber nicht unsre Gcmüthsver-fassung, wenn wir es zu oft denken. — Folglich würde auchdie Einführung der Thiere uns höchstens nur in den ersten Fa-beln wunderbar vorkommen; fänden wir aber, daß die Thierefast in allen Fabeln sprächen und urtheilten, so würde dieseSonderbarkeit, so groß sie auch an und vor sich selbst wäre,doch gar bald nichts Sonderbares mehr für uns haben.
Aber wozu alle diese Umschwciffc? Was sich auf einmalumrcisscn läßt, braucht man das erst zu erschüttern? — Darumkurz: daß die Thiere, und andere niedrigern Geschöpfe, Spracheund Vernunft haben, wird in der Fabel vorausgesetzt; es wird