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5 (1839)
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Abhandlungen über die Fabel.

Genug für eine Probe! Ich behalte mir vor, meine Be-schuldigung an einem andern Orte umständlicher zu erweisen;und vielleicht durch eine eigene Ausgabe des Phövrus-

V.

Von einem besondern Nutzen der Fabeln in den Schulen.

Ich will hier nicht von dem moralischen Nutzen der Fabeln re-den; er gehöret in die allgemeine praktische Philosophie: und würdeich mehr davon sagen können, als lVolf gesagt hat? Noch weni-ger will ich von dem geringern Nutzen itzt sprechen, den diealten Nhclorcs in ihren Vorübungen von den Fabeln zogen;indem sie ihren Schülern aufgaben, bald eine Fabel durch allevasus okli<juc>s zu verändern, bald sie zu erweitern, bald siekurzer zusammenzuziehen zc. Diese Uebung kann nicht andersals zum Nachtheil der Fabel selbst vorgenommen werden; undda jede kleine Geschichte eben so geschickt dazu ist, so weis ichnicht, warum man eben die Fabel dazu mißbrauchen muß, diesich, als Fabel, ganz gewiß nur auf eine einzige Art gut cr-zchlcn läßt.

Den Nutzen, den ich itzt mehr berühren als umständlicherörtern will, würde man den hcvristischcn Nutzen der Fabelnnennen können. Warum fehlt es in allen Wissenschaftenund Künsten so sehr an Erfindern und sclbstdcnkendcn Köpfen?Diese Frage wird am besten durch eine andre Frage beantwor-tet: Warum werden wir nicht besser erzogen? Gott giebt uns dieSeele; aber das Genie müssen wir durch die Erziehung bekom-men. Ein Knabe, dessen gcsammtc Scclcnkräftc man, so vielals möglich, beständig in einerley Verhältnissen ausbildet underweitert; den man angewöhnet, alles, was er täglich zu seinemkleinen Wissen hinzulernt, mit dem, was er gestern bereits wußte,in der Geschwindigkeit zu vergleichen, und Acht zu haben, ober durch diese Verglcichung nicht von selbst auf Dinge kömmt,die ihm noch nicht gesagt worden; den man beständig aus einerScienz in die andere hinüber sehen läßt; den man lehret sicheben so leicht von dem Besondern zu dem Allgemeinen zu erhe-ben, als von dem Allgemeinen zu dem Besondern sich wieder