Die Nachtigall.
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welches beym Rudolphi vorkömmt: lind man kaiin leicht crmes-sen, was man mit diesem vorgeblichen ungeheuren Vorrathe hatsagen wolle». Das Lied von D. Major ist überschrieben,I» o. ?ol. I,oz^erum, und fängt an:
O Nachtigall, du und dein Gesang
Seit über die Vögel alle:Gott hat dir geben ein hellen Klang,Zu loben ihn mit Schalle u> s. w.Allein man würde sich sehr irren, wenn man diese Nachtigallfür die nnsrige halten wollte. Es ist eine ganz andere, undder Abschreiber hätte sie nicht mit in dieses Gcbaucr sperrensollen. Die Händel, die Johann Major mit Polyc. -Geysernzu Wittenberg hatte, sind bekannt; und dahin gehöret diesesLied. Major verstehet unter seiner Nachtigall vielleicht denMelanchrhcm; wie dieses der Abschreiber durch die am Randebeygefügte Buchstaben k. cp. ^. anzeigen wollen: vielleicht aberauch einen andern von Mclanchthons Geist und Dcnkungsart,weil Mclanchthon selbst längst todt war; vielleicht auch gar sichselbst. Diese Nachtigall preiset er, in Entgegensetzung einesleidigen Guckucks,
Der leydige Guckug fleugt umherUnd guckt in alle Winkel,womit er den nmherreisenden D. Jacob Andrea ansticht; undin Entgegensetzung eines Finken,
Fürwahr der Fink ist Geyers Art,Fromb Boglein wil er fressen,womit er seinen eignen Widersacher und Verfolger, benanntenGeyser, mcynct. Diesem Finken prophczcyct er, daß er dochnoch endlich werde im ^anff behängen bleiben, und schließt:Und der, der dieses Liedlein sang,Der hat ir mehr gesungen,Er ist ein Schwan, du yo'rsts am Klang,
Du hettst in gern vcrdrungen.Noch leit er nicht, er lebt und singt,
Er will sein Feder spitzen,Für Freund in im sein Herz auffspringt,An dir sich zu ernützen.