Paulus Silcntiarius auf die Pythischcu Bcider. 105
weiset, daß es sich wenigstens schon in seiner Ausgabe der An-thologie von 1517 müsse befunden haben; wo es nicht garbereits in der ersten von 1603 erschienen war. Dem sey indeß,wie ihm wolle: die Hauptsache kömmt auf die Art und Weisean, wie es Aldus zuerst drucken lassen; und diese ist zuverlässigso gewesen, wie ich sie in der Ausgabe von 1621 vor mirsehe. Da nehmlich die Zeilen desselben das Anakreontischc Syl-benmaaß haben, und folglich nur sehr kurz sind: so ließ er es,zu Ersparung des Raumes, in gespaltenen Columncn, zweyZeilen neben einander, abdrucken; und zwar solchergestalt, daßin der ersten Spalte alle ungerade, in der andern Spaltehingegen alle gerade Zeilen zu stehen kamen, und man dahernicht Spalte nach Spalte, sondern beyde Spalten aueer durch,in jeder eine Zeile um die andere, lesen sollte und mußte.
So natürlich nun dieses war, besonders da keine Linie dieSpalten trennte; so ganz wenig Griechisch man auch nur wis-sen durste, um sich in der Ordnung nicht zu irren: so allgemeinwar dennoch der Anstoß, den man in allen andern Druckcrcyen,welche die Anthologie nach dem Aldus lieferten, daran nahm.Die Erben des Philipp Junta waren die ersten, die in ihrerAusgabe von 1519, den lächerlichsten Fehler begingen, der nurimmer daraus entstehen konnte. Denn da sie sich einbildeten,daß man eine ganze Spalte nach der andern lesen müsse, undwirklich lasen; dabey aber nicht genau eben so viele Zeilen aufeine Seite brachten, als bey dem Aldus waren: so kann mansich leicht vorstellen, welcher vortreffliche Wirrwarr in dem Gan-zen daraus entstehen mußte. Ohngcfchr eben derselbe entstand,als hierauf Badius, in seiner Anthologie von 1531, in demnehmlichen Wahne, das Gedicht auf ungespaltcncn Seiten, essey nun nach einer Aldinischcn, oder der Zuntaschcn Ausgabe,abdrucken ließ. Ja endlich ging es in der Druckcrcy des Hen-ricus Stephanus selbst nicht besser, dessen Ausgabe der Antho-logie von 1566 in diesem Punkte zu keinem geringern Schand-flecke versehen war.
Daß er gleichwohl, dieser Schandfleck, an allen den dreygedachten Ausgaben, eine geraume Zeit ungcrügct blieb, kamwohl vornehmlich daher, daß das Gedicht selbst, als die Geburt