Druckschrift 
9 (1839)
Entstehung
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168
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168 Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag.

scm allein die Ehre gab, einen so wahren und grossen Verstanddamit verknüpft zu haben? Folget sie nicht auch aus LeibnitzischcnGrundsätzen? Za beruht sie selbst bey Baumgarten auf andernGrundsätzen, als auf Leibnitzischcn? Der Satz, woraus sie die-ser unmittelbar herleitet, daß kein negatives Ding in einemreellen Dinge ein Grund von Realität seyn könne: was ist erweiter, als eine für gewisse Fälle brauchbarere Formel des zu-reichenden Grundes? Nicht zu gedenken, daß aus diesem Satzenicht sowohl die ewige Fortdauer der Verdammnis;, als dieUnmöglichkeit aus der Verdammniß durch die Verdammnis) indie Seligkeit überzugehen, fliestet.

IX. Wenn nun aber die Ewigkeit der Strafen in unge-zwcifcltcn Lcibnitzischcn Lehren so offenbar gegründet ist: so mußsie sich auch zu beiden Hypothesen von der Vollkommenheit derWelt, der gleichmäßigen sowohl als der wachsenden, schicken;wenn sich anders das ganze System des Lcibnitz, wie ich ge-sagt habe, gleichgültig gegen diese Hypothesen verhält. Und dasthut sie auch wirklich; unter der Einschräiikung nehmlich, daßsowohl die eine als die andere Art der Vollkommenheit nichtvon jedem einzeln Wesen, sondern von den totalen Zuständenaller Wesen zugleich, prcidicirct wird. Unbeschadet der einenund der andern, kann ein moralisches Wesen nicht allein inseinem Fortgang? zur Vollkommenheit stocken, nicht allein einigeSchritte zurückgehen: sondern ich sehe nicht, warum es nicht auchin diesem Rückgänge ewig beharren, und sich immer weiter undweiter von seiner Vollkommenheit entfernen könnte? Auf dieserMöglichkeit beruhet der exotcrischc Grund, den Lcibnitz für dieunendliche Dauer der Verdammniß, aus der endlosen Fortsetzungder Sünde hernahm. Nur hätte er, um ganz orthodox zuseyn, nicht nur eine ewige Verdammniß, sondern eine ewige inalle Ewigkeit wachsende Verdammniß daraus folgern müssen.

X. Allerdings schaudert die Menschheit bey dieser Vorstellung,ob sie schon nur auf die blosse Möglichkeit sich beziehet. Ichmöchte aber darum doch nicht fragen: warum mit einer blossenMöglichkeit schrecken? Denn ich müßte mich der Gegenfrage be-sorgen: warum nicht damit schrecken, wenn sie doch nur eigent-lich für den erschrecklich seyn kann, dem es mit seiner Besserung