Druckschrift 
9 (1839)
Entstehung
Seite
169
Einzelbild herunterladen
 

Leibnitz von den ewigen Strafen.

169

ine ein Ernst gewesen? Gesetzt aber auch, daß es selbst mitdieser Möglichkeit noch nicht seine Richtigkeit hätte; daß siezwar mit der Vollkommenheit des Ganzen bestehen könnte; daßaber der ewige Rückgang eines moralischen Wesen, in sich selbstwidersprechend wäre: so bleibt auch so noch die Ewigkeit derStrafen nach den strengsten Lcibnitzischcn Grundsätzen gerettet.Genug, daß jede Verzögerung auf dem Wege zur Vollkommen-heit in alle Ewigkeit nicht einzubringen ist, und sich also in alleEwigkeit durch sich selbst bestrafet. Denn nun auch angenom-men, daß das höchste Wesen durchaus nicht anders strafen kann,als zur Besserung des Bestraften; angenommen, daß die Besse-rung über lang oder kurz die nothwendige Folge der Strafesey: ist es schon ausgemacht, ob überhaupt die Strafe andersbessern kann, als dadurch, daß sie ewig dauert? Will man sa-gen?allerdings; durch die lebhafte Erinnerung, welche sie vonsich zurück läßt." Als ob diese lebhafte Erinnerung nicht auchStrafe wäre?

Xl. Doch warum bey Dingen verweilen, die niemand leug-net? Nicht die Ewigkeit der natürlichen Strafen wird geleugnet,sondern was denn? die Ewigkeit der Hölle. Also ist beidesnicht eines? Also ist die Hölle etwas anders, wenigstens etwasmehr, als der Inbegriff jener Strafen? Ich weiß wohl, daßes Theologen giebt, die dieser Meynung sind. Allein ich finde,daß wenigstens Herr Eberhard unter diese Theologen nicht ge-höret; und er ist darum gewiß nicht weniger orthodox, als sie.Denn in der ganzen Religion ist nichts, was so etwas zu glau-ben nöthige. Vielmehr kann und darf man mit aller Sicherheitannehmen, daß die in der Schrift gedrohten Strafen keine anderesind, als die natürlichen, welche auch ohne diese Androhung ausdie Sünde folgen würden. Wenn aber eine Höhcrc Weisheiteine dergleichen ausscrordcntliche Androhung noch für nöthig ge-halten hat: so hat sie für eben so zuträglich erkannt, sich ganznach unsern gegenwärtigen Empfindungen davon auszudrücken.Und hier, denke ich, stehen wir an der Quelle, woraus alle dieSchwierigkeiten geflossen sind, warum man die Ewigkeit derVerdammniß leugnen zu müssen geglaubt. Indem nehmlich dieSchrift, um die lebhafteste Vorstellung von jener Unglückscligkcit