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9 (1839)
Entstehung
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Zur Geschichte und Litteratur. Erster Beytrag.

zu erwecken, die auf die Lasterhaften wartet, fast alle ihre Bil-der von dem körperlichem Schmerze hernahm, mit dem alleMenschen ohne Ausnahme am bekanntesten sind: so hat man,wenn auch nicht die körperlichen Schmerzen selbst, wenigstensderen Beschaffenheit und Verhältniß zu unserer Natur, nicht fürdas Bild, sondern für die Sache selbst genommen, und ausdiesem falschen Begriffe etwas bestritten, was auf alle Weisegegründeter ist/ als dieser Begriff. So sind aus Strafen,Qualen; aus Qualen, ein Zustand von Qualen; aus der Em-pfindung eines solchen Zustandes, eine alles andere ausschlies-sendc, unsers ganzen Wesens sich bemächtigende Empfindung ge-worden. Kurz, die intensive Unendlichkeit, die man, mehr oderweniger, stillschweigend oder ausdrücklich, den Strafen der Hölleunbcdachtsam beygelegt, oder gar beylegen zu müssen geglaubt;diese weder in der Vernunft noch in der Schrift gegründete in-tensive Unendlichkeit allein ist es, welche die unendliche Dauerderselben so unbegreiflich, mit der Güte und Gerechtigkeit Gottesso streitend, unsern Verstand und unsere Empfindung so empörend,macht, von jeher gemacht hat, und nothwendig machen muß.

XII. Besonders bey denen machen muß, die sich keine gött-liche Strafen ohne Absicht der Besserung denken können. IhrGefühl ist sehr richtig, aber ihre Verstand macht einen Trug-schluß. Nicht durch die unendliche Dauer der Strafen wirddie Besserung ausgeschlossen, sondern durch die intensive Unend-lichkeit derselben. Denn zu dieser intensiven Unendlichkeit gehö-ret vornehmlich ihre Stetigkeit; und diese Stetigkeit ist es, welchealle Besserung unmöglich macht. Ich will sagen, und habe zumTheil schon gesagt: wenn die Strafen bessern sollen; so hindertdie immerwährende Fortdauer des physischen Uebels derselben,so wenig die Besserung, daß vielmehr die Besserung eine Folgedieser Fortdauer ist. Aber die Empfindung dieses dauerndenUebels muß nicht stetig, muß wenigstens in ihrer Stetigkeit nichtimmer herrschend seyn: weil es unbegreiflich ist, wie bey dieserherrschenden Stetigkeit auch nur der erste Entschluß zur Besse-rung entstehen könnte. Herr Eberhard selbst behauptet dieMöglichkeit 5es ersteren mit so ausdrücklichen, als nachdrücklichenWorten.Das physische der Strafe mag immer bleiben; der