Druckschrift 
9 (1839)
Entstehung
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171
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Lcibnitz von de» ewigen Strafen.

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besser belehrte Sünder wird es kein Uebel mehr nennen, erwird sich dabey nicht mehr unglücklich dünken, so schmerzhaftes auch immer seiner Sinnlichkeit seyn mag." Was heißtdieses anders; als daß sich der Sünder bessern kann, ohngeach-tct seine Strafe nie aufhöret? Aber wenn sollte er nur denGedanken fassen, daß das fortdaurcnde physische Uebel für ihnein wohlthätiges Uebel sey, wenn sollte er anfangen können,besser belehrt zu seyn, falls die Empfindung dieses Uebels sointensiv und stetig wäre, als man es aus einigen figürlichenAusdrücken der Schrift folgern zu müssen glaubt?

Xlll. Ich sage mit Bedacht, aus einigen figürlichen Aus-drücken. Denn andere, besonders wenn man die Parabeln mitzu den figürlichen Ausdrücken rechnen darf, leiten auf weit rich-tigere Begriffe, mit welchen sowohl die Endlosigkeit der Stra-fen, als zugleich die Besserung des Bestraften bestehen kann.Daß aber die eine die andere nicht aufhebt, ist nicht alleinunter der Voraussetzung begreiflich, daß die Besserung nichtanders als durch die Fortdauer der Strafen erhalten werdenkönne: sondern kann auch auf eine andere Weise mehr alswahrscheinlich gemacht werden. Nehmlich, wenn man in Er-wägung zieht, daß obschon Strafe und Belohnung etwas posi-tives seyn werden lind seyn müssen, dennoch ein Stand vonStrafen und ein Stand von Belohnungen zugleich relative Be-griffe sind, welche die nehmlichen bleiben, so lange sie in demnehmlichen Verhältnisse abnehmen oder wachsen. Der reicheMann in der Hölle mag sich immer bessern; mag sich immer,von dem ersten Augenblicke der empfundenen Strafe an, seinerVollkommenheit wieder zugewandt, und mit jedem folgendenAugenblicke sich ihr mehr und mehr genähert haben. Hört erdarum auf, in Ansehung des Lazarus, in der Hölle zu bleiben,der von dem ersten Augenblicke seiner empfundenen Seligkeitan, indeß um eben so viele Schritte einer höhcrn und höher»Vollkommenheit zugeeilet ist? Wer hicrwider im Ernste denEntwurf machen kann, daß auf diese Weise Hölle und Himmelin eines fliesscn, und sich jeder Sünder sonach trösten könne,über lang oder kurz dennoch einmal in Himmel zu kommen:der ist gerade derjenige, mit dem man sich über dergleichen