Druckschrift 
9 (1839)
Entstehung
Seite
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Lcibnitz von den ewigen Strafen.

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lndiren, nicht anders als durch die wenigere Bestrafung beloh-nen, und durch die wenigere Belohnung bestrafen kann: miteinem Worte, daß sie in dergleichen Fallen, wie der Ausdruckist, in Bausch und Bogen bestrafen und belohnen muß. Aberdieses müßte auch Gott? Nimmermehr. Sondern, wenn eswahr ist, daß der beste Mensch noch viel Böses hat, und derschlimmste nicht ohne alles Gute ist: so müssen die Folgen desBösen jenem auch in den Himmel nachziehen, und die Folgendes Guten diesen auch bis in die Hölle begleiten; ein jedermuß seine Hölle noch im Himmel, und seinen Himmel noch inder Hölle finden. Die Folgen des Bösen müssen von den meh-rcrn Folgen des Guten, und die Folgen des Guten von denmchrern Folgen des Bösen nicht blos abgezogen werden: son-dern jede derselben müssen sich, in ihrer ganzen positiven Na-tur, für sich selbst äusser». Nichts anders meinet die Schriftselbst, wenn sie von Stufen der Hölle und des Himmels redet.Aber der undcnkendcre Theil ihrer Leser, stellt er sich dieseStufen auch so .vor? Oder giebt er nicht vielmehr einer je-den dieser Stufen, sie sey so niedrig als sie wolle, gleichsamihre eigene intensive Unendlichkeit? Die niedrigste Stufe desHimmels, ist ihm freylich nur die niedrigste: aber dem ohngcach-tet, nichts als Himmel, nichts als Freude und Wonne, nichtsals Seligkeit.

XVI. Und nun: warum seine Waffen nicht lieber gegen dieseirrigen Begriffe wenden, die noch dazu ungleich leichter aus derSchrift hinweg zu crcgcsircn sind, als die unendliche Dauer derStrafen? Mich wenigstens dünket, daß selbst der scharfsinnigsteAusleger, wenn er gegen diese an will, Dinge als ausgemachtannimmt, gegen welche noch sehr viel einzuwenden wäre. Z. E.Wenn Herr Eberhard darauf dringt, daß das Wort ewig in derhebräischen und griechischen Sprache nur eine unbestimmte, aberkcincswcges unendliche Dauer andeute; so sagt er unter andern:Uebcrhanpt muß man die Zeitfolgc in der stufenweise» Erhö-hung eines solchen abstrakten Begriffs, als der Begriff derEwigkeit ist, wohl bemerken. Dieser Begriff ist nicht immerso transcendental gewesen, als ihn zuletzt die stärkste An-strengung der erhabensten Philosophie gemacht hat." Die