260 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag.
Zn der Kirche waren, ausser den vornehmsten Geschichtendes alten und neuen Testaments, jene in 63, und diese in134 besondern Gemälden, alle Regenten der vier Hauptmo-narchicen, bis auf Kayser Rarl den V. zu sehen, als bey des-sen Regierung, wie ich aus den geschriebenen Nachrichten Ja-cob Frischling bereits beygebracht habe, die ganze Kirche, unterdem Abte Johann dem dritten, welcher von 1624 bis 166Kgesessen, gemalt worden. Die drey folgenden Kayser warenhernach von anderer Hand hinzugekommen. Auch hatte man,wie billig, der Sibyllen da'nicht vergessen, deren nicht zehnsondern eilfe gemalt waren, wovon die eilstc beym ParsimoniusSiliMa eiumlea heißt, mit der ich hier die erste Bekanntschaftgemacht habe. Zn dem innern Chöre der Kirche war das Him-melreich und ewige Leben gemalt.
Ganz schlecht müssen diese Gemälde nicht gewesen seyn; we-nigstens haben sie zu den damaligen Zeiten vielen Ruhm ge-habt. Denn in den Frischlinschcn Nachrichten lese ich, daßMarggrasf Albrecht von Brandenburg, -Herzog in Preussen ,sie abconterfehcn lassen, Vorhabens zu Ronigsberg einegleichförmige Rirche aufzurichten. Ob so etwas wirklich ge-schehen, kann ich nicht sagen.
Zn dem Klostergcbäudc selbst, und zwar in dem nehmlichenKreuzgange, in welchem die 4V Fenstcrgcmälde waren, sagtParsimonius, hätten sich ausser diesen auch noch andere Fenstcr-gcmälde befunden. Allein dieses ist von den Fenstern des Erkerszu verstehen, in welchem der Springbrunnen lag, und der, wiewir gesehen haben, zu dem Krcuzgange gehörte und auch nichtgehörte. Um diesen waren in fünf kleinern und grösser» Fen-stern, die ebenfalls in drey oder zwey Felder vertheilt waren,zwölf aus der Schrift genommene Historien gemalt, die sich zu
„niclt und geschrieben find.— Ich habe es nachmahls in die Wolfcnbuttclschc„Bibliothek, wo parsimonii übrige Mannscriplc vorhanden sind, gcschickct,„und will hoffen, es soll allda angelangt seyn." Richtig und wohl. Auchich will hoffen, daß Moseu nachher ein dankbarlichcs Rcecpisse darüber wirdcmpsangcn haben. Gesegnet sey das Andenke» aller der Männer, die derbessern und schicklichern Erhaltung alter Schriften, das Recht ihres Eigen-thums aufopfern!