Druckschrift 
9 (1839)
Entstehung
Seite
289
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Des Andreas Wissowatius Einwürfe wider die Dreyeinigkeit. 289

ti. Wenn ein Orthodox, sollte es auch ein Shcrlock seyn,sagt und schreibt, daß der Socinianismus, Trotz aller seinerAnsprüche auf gesunde Vernunft, eine der allertüninisien undsinnlosesten Ketzereyen sey, (tkst Lo<?tt»a»«>sm, stter sll itsprvtences to koston, is ons of tne mo5t Ki^niä l'ooslel's Heret'ies)die jemals die Kirche zerrüttet: so verdenke ich es eben keinem,der auf diese Beschuldigung nicht achtet. Sie wird eben so zu-versichtlich zurückgeschoben: und was ist natürlicher, als daß je-der seine eigne Meynung für die vernünftigere hält? Aber wennder uneingenommcne kalte Philosoph ungefehr das nehmlichesagt: so hat es ohne Zweifel etwas mehr zu bedeuten; undalle öffentliche oder heimliche Freunde einer von ihm so gennß-billigtcn hetcrodoxcn Meynung müßten sich, meyne ich, auf et-was mehr gegen ihn gefaßt halten, als auf Recrimination.Wenn Ullssoromius sich in dem Briefe an Boincburgcn rühmte,seinen Lchrbcgriff äs ^elu Lln-Itto no» Fupremo veo, locktarnen Iiuie proximo et luborcllnato, ao proinde cle ejus aäora-tioi,<z lllvioa nov sunrema, 5ecl suprems: proxima et ^uvordinata,gegen den Norwnrf, daß er sich widerspreche, hinlänglich in demvorigen Briefe gerettet zu haben: so sagt K.eibmy, daß er hier-auf nichts antworten könne, weil er jenen vorigen Brief nichtzu Gesichte bekommen habe. Das ist, er wollte sich nicht demTadel aussetzen, von etwas zu urtheilen, das er nicht gesehenhabe. Im Grunde aber war er sehr überzeugt, daß wissowK-tins schlechterdings das nicht könne geleistet haben, dessen ersich rühmte. Denn ich könnte der Stellen zwanzig aus ihmanführen, wo er mit völliger Ueberzeugung behauptet, daß derSocinianismus, nach allen Wendungen und Drehungen, den-noch nichts als wahre Abgötterei) sey und bleibe.

5. Man denke nicht, daß er auch dieses nur behauptet habe,um den Orthodoxen zu heucheln. Nein: sondern seine ganzeihm eigene Philosophie war es, die sich gegen den abergläubi-schen. Unsinn empörte, daß ein blosses Geschöpf so vollkommenseyn könne, daß es neben dem Schöpfer auch nur genannt zuwerden verdiene; daß es, ich will nicht sagen, die Anbetungmit ihm theilen möge, sondern auch nur, selbst von unendlichunvollkommneren Geschöpfen, dürfe und könne gedacht werden,

Messings Werkc ix. 19