290 Zur Geschichte und Litteratur. Zweyter Beytrag.
als ob cs minder unendlich weit von der Gottheit abstehe, dannsie selber. Die Wahrheit, daß Gott , und nur Gott, und nurer selbst, die Welt erschaffen habe; daß er sie durch kein Ge-schöpf habe schaffen lassen; daß ein Geschöpf nichts schaffenkönne; daß das allcrpollkommcnste Geschöpf ein Theil der Weltseyn müsse, und im Verhältniß gegen Gott kein beträchtlicherTheil der Welt seyn könne, als die elendeste Made: diese Wahr-heiten, oder vielmehr diese einzige Wahrheit (indem sich keineohne die andere denken läßt) ist die Seele seiner Philosophie:und man kann sich noch wundern, daß er einen Religionsbe-griff verworffcn, der schnurstracks mit dieser Wahrheit streitet,welche allein der Grund aller natürlichen Religion ist, undnothwendig der unbezwcifelte Grund auch jeder geoffenbartenReligion seyn müßte, die das Zeichen der Erdichtung nicht ander Stirne führen will? Und man kann noch zweifeln, ob erden verworfnen Rcligionsbegriff aus ganzen Herzen verworffcn?ob er ihm aus ganzen Herzen die gemeine Lehre vorgezogen,die jeder Vernunftswahrheit ohne Nachtheil zur Seite stehenkann, weil sie keiner widersprechen will, und mit Grunde vonsich rühmen darf, daß sie so lange noch nicht richtig verstandenist, als sie einer einzigen zu widersprechen scheinet?
8. Aeibnilz machte sich daher auch kein Bedenken, diejeni-gen von den Sociniancrn, welche ihre Brüder kaum dieses Na-mens würdigen wollen, weil sie frey gestehen, daß sie den, wel-chen sie nicht für Gott halten, auch weder als Gott anbeten,noch sonst auf eine Weise mit Gott, oder neben Gott, oder inBeziehung auf Gott , verehren mögen; diese, sage ich, für diebessern und vernünftigern Sociniancr zu halten. Denn, wennsie schon keine eigentliche Sociniancr sind, so sind sie doch of-fenbar die bessern und vernünftigern Unitarier. Sie haben mitden Sociniancrn den nehmlichen Irrthum gemein; aber sie han-deln diesem Irrthume mehr consequcnt. Ob sie aber sonachviel oder wenig von den Mahometancrn verschieden sind: wasliegt daran? Nicht der Name macht cs, sondern die Sache;und wer die Sache zu lehren oder zu insinuircn den Muth hat,der müßte auch frcymüthig genug seyn, dem Namen nicht aus-weichen zu wollen. Was haben sie denn auch je gründliches