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Zur Geschichte lind Litteratur. Zweyter Beytrag.
nianern so aufrichtig entgegen gewesen seyn, als er will: genug,daß er von der orthodoxen Meynung im Grunde sicherlich gleichweit entfernt war. Er glaubte das eine, eben so wenig alsdas andere: kurz, er glaubte, von der ganzen Sache nichts.—Er glaubte! Wenn ich doch nur wüßte, was man mit diesemWorte sagen wollte. Zn dem Munde so mancher neuern Theo-logen, muß ich bekennen, ist es mir wenigstens ein wahresRäthsel. Diese Männer haben seit zwanzig, dreyßig Zahrenin der Erkenntniß der Religion so grosse Schritte gethan, daß,wenn ich einen ältern Dogmatikcr gegen sie aufschlage, ich michin einem ganz fremden Lande zu seyn vcrmcyne. Sie habenso viel dringende Gründe des Glaubens, so viel unumstößlicheBeweise für die Wahrheit der christlichen Religion an der Hand,daß ich mich nicht genug wundern kann, wie man jemals sokurzsichtig seyn können, den Glauben an diese Wahrheit füreine übernatürliche Gnadcnwirknng zu halten. Alles, was ichin jenen ältern Dogmatikern blos als wahrscheinliche Vermu-thungen, als proeluäiela, als pr -eloniitioiies, angeführt finde,welche einen Nichtchristen bewegen können, die christliche Reli-gion nicht so schlechtweg zu verwerfen, sondern sich einer ernst-lichen Prüfung derselben zu unterziehen; alles, womit manehedem blos die Einwürfe der Ungläubigen und Abgötter ab-lausen lassen; kurz, alles, wovon aufrichtig allda bekannt wird,daß es, weder einzeln noch zusammengenommen, eine beruhigendeUeberzeugung wirken könne: alles dieses haben so viele unsererNeuerern Gottcsgelchrten, zusammen so in einander gekettet, undeinzeln so ausgefeilt und zugespitzt, daß nur die muthwilligsteBlindheit, nur die vorsetzlichste Hartnäckigkeit sich nicht überführtbekennen kann. Was der Heilige Geist nun noch dabey thunwill, oder kann, das steht freylich bey ihm: aber wahrlich, wenner auch nichts dabey thun will, so ist es eben das- Sie habenbewiesen, und so scharf bewiesen, daß kein billiges Gemüthan der Gründlichkeit ihrer Beweise etwas wird auszusetzenfinden.
4t. Sie also freylich, die in diesen letzten Tagen ganz an-ders gelernt haben, die Vernunft zum Glauben zu zwingen,werden schon S.eibnirzen mit der Zeit, in welcher er lebte, ent-