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9 (1839)
Entstehung
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293
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Des Andreas Wissowatius einwürfe wider die Dreyeinigkeit. 293

schuldigen müssen, wenn ich von ihm versichere, daß er freylichnicht, weder die Dreyeinigkeit, noch sonst eine geoffenbarte Lehreder Religion geglaubt hat; wenn glauben so viel heißt, alsaus natürlichen Gründen für roahr halten. Es erhub sich,nur eben erst bey seinen Lebzeiten, unter einigen Reformistender Streit über die vorläufige Frage, ob es möglich sey, undwenn es möglich, ob es dienlich sey, die christliche Religion aufblos natürliche Beweise zu gründen, der Vernunft allein dieUeberzeugung von ihrer Wahrheit anheimzustellen. Aber essey nun, daß -L.eibniy von diesem Streite entweder nichts inErfahrung brachte, oder ihn für die bisher gewöhnliche Mey-nung entschieden zu seyn glaubte: genug, er fuhr fort, hierüberzu denken, wie er es in seiner Zugend war gclchrct worden.Nehmlich, daß es zwcyerlcy Gründe für die Wahrheit unsererReligion gebe: menschliche und gottliche, wie es die Com-pendia ausdrücken; das ist, wie er es hernach gegen einen Fran-zosen ausdrückte, der unsere theologischen Compcndia ohne Zwei-fel nicht viel gelesen hatte, erklärbare und »»erklärbare; derenerstere, die erklärbaren oder menschlichen, auf alle Weise unterder Ueberzeugung bleiben, welche Ueberzeugung, oder derselbenComplcment, einzig und allein durch die andern, die uncrklär-baren und göttlichen, könne und müsse bewirkt werden. Dieseseine altvätcrscyc Meynung, wie gesagt, müssen sie ihm verzeihen.Denn wie konnte er voraussehen, daß sie nun bald am läng-sten wahr gewesen seyn werde, und Männer aufstehen würden,die, ohne sich viel bey jener vorläufigen Streitfrage aufzuhalten,sogleich Hand an das Werk legen, und alle erklärbare, aberbisher unzulängliche Gründe, zu einer Bündigkeit lind Stärkeerheben würden, wovon er gar keinen Begriff hatte? Er mußte,leider, aus Vorurthcilcn seiner Jugend sogar dafür halten, daßdie christliche Religion, blos vermöge eines, oder mehrerer, oderauch aller erklärbaren Gründe, glauben, sie eigentlich nichtglauben hcisse; und daß das einzige Buch, welches, im eigent-lichen Verstände, für die Wahrheit der Bibel, jemals geschrie-ben worden, und geschrieben werden könne, kein anderes als dieBibel selbst sey.