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9 (1839)
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Zur Geschichte und Litteratur. Dritter Beytrag.

aufzuschlagen, welche sich vermessen, auch die sonderbarsten Män-ner, auch die seltsamsten Erscheinungen in der moralischen Welt,mir ein Paar Worten abzufertigen, und auf immer entwederzu brandmarken oder zu verklären.

So schreibt Isckcr.Avam Ncuser, ein merkwürdigerApostata, war aus Schwaben gebohrcn, wurde in der Luthe-rischen Religion aufcrzogcn, bekannte sich aber nachgehcndszu der reformirten, und ging in die Pfalz , wo man ihn zuHeidelberg bey der Petcrskirchc zum Prediger machte. Unge-achtet er viel Fehler an sich hatte, und sonderlich dem Trunkesehr ergeben war, so brachte er sich doch durch den äusscrlichenSchein eines gottseligen Eisers, und durch seine Beredsamkeitbey dem Volke ein ziemliches Anschn zuwege. Als er aberbey dem Churfürsten von der Pfalz, Friedrich III. in Un- gnade verfiel, ließ ihn selbiger von dieser Kirche wegnehmenund an die Kirche zum heil. Geist in Heidelberg setzen, allwoman ihm keine andere Amtsverrichtung verstattete, als dieFrühbetstundcn zu halten. Diese Degradation verursachte beyihm einen ungcmeincn Verdruß, deswegen er sich vornahm,den Socinianismum, dem er schon viel Zahrc heimlich zuge-than gewesen, zu befördern. Er brachte zu solchem Endeetliche Pfälzische Prediger auf seine Seite, und bemühte sichnicht allein mit dem berühmten Socinianer, Georgio Dlan-dram, welcher damals bey dem Woywoden von Siebenbürgen Mcdicus war, eine schriftliche Eorrcspondenz aufzurichten, son-dcrn auch sich, nebst den Seinigen, in des Türkischen Kay-scrs, Sclim II, Schutz zu ergeben. Sein Hauptabschen liefauf einen Syncrctismum zwischen der Mahomctanischcn undPhotinianischen Lehre hinaus. Er ging endlich gar so weit,daß er an den Sultan Selim einen Brief schrieb, welcheraber in des Churfürsten Hände kam, weswegen er gefangengenommen und nach Ambcrg gcführet wurde. Doch siebenWochen hernach salvirte er sich zum andernmalc, begab sichnach Constantinopel, und trat öffentlich zu der Mahomctani-schen Religion, wurde aber zu nichts andern als zu einemChiaus gemacht. Er war ein wollüstiger Mensch, ein Trun-kenbold und ein rechter Atheist, deswegen er auch von den