Adam Ncnscr.
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Tagebuch aus des Verfassers lateinischen Papieren zusammenge-stöppelt worden, der doch wohl wissen mußte, wer ThomasErastus war, welcher Ncusern in dem Streite über die Kir-chcnzucht bcygcstandcn, und eine so vertraute Freundschaft mitihm unterhalten hatte, daß er bey vielen des Arianismus her-nach selbst verdächtig wurde. Diesen meinte Ncuscr unstreitig,und an die etymologische Bedeutung des Worts war gar nichtzu denken; obschon freylich Ncnser der Vertrauten mehr gehabthatte, uud diese seine Aussage wider den Erastus auch garnichts beweiset. Denn ein anderes ist, der Vertraute irrigerLehrsätze seyn; und ein anderes, solche Lehrsätze selbst Hägen.Ich kann diesen LLrastus nicht anders als hochschätzen, dem einNcuscr seine geheimsten Gedanken anvertrauen durste, und derdoch auch wiederum mit einem strengen Orthodoxen so freund-schaftlich und unaiistossig leben konnte, daß dieser Orthodoxeselbst nicht Anstand nahm, sein eifrigster Vertheidiger zu werden.Denn er eben ist der Freund, von welchem Zancbius an Ä.a-Vtttcrn schrieb: In Use autoin cauta ^riavismi, cuius tulpectumnabnorullt amieum pvrmulti, piopter sretisl'imcMi smieitiam eum«lefondi vt c1oken6am iisl^uo acl tanguinem, yuia fit illi ioinris,Quantum <?Ao ^ivtui ox l'amiliaridus iis«ju<z peimultis cum ec> ter-moniüus colliAvro (^°).
16. Ehe ich schliesst, muß ich noch ein Wort von Nenscrsmoralischen Charakter sagen, den man ohne Zweifel nur dar-um so abscheulich und schwarz zu schildern und zu glauben ge-neigt gewesen, weil man zweycrlcy für ganz unstreitig und noth-wendig gehalten. Einmal, daß schlechterdings nur ein höchstlasterhafter Mensch den Schritt thun könne, welchen Ncuscrgethan. Zum andern, daß dem, welcher die Christliche Religionmit der Türkischen vertauscht habe, wenn er nun auch bey die-ser keine Beruhigung finde, nichts übrig bleibe, als in denäussersten Unglauben zu stürzen, welcher zu dem lüdcrlichstcnLeben berechtige, und am Ende unvcrmcidlichc Verzweiflungnach sich ziehe. Daß das Exempel vieler, ja der meisten Renc-
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