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Lom Alter der Oclmalercy.
mn die Arbeit damit langweilig und ekelhaft machte. Allsden zusammengenommenen Stellen des Thcophilus scheinet auchzu erhellen, daß sie sich nur des Leinöls bedienten: wenigstensnennet Thcophilus überall nur das Leinöl; und ob er schon dasNußöl und Mohnöl kannte, so sagt er doch nirgends, daß mansich der letzter» eben so wohl als des erster« bedienen könne.
Nun aber ist unter allen diesen Oclcn das Leinöl nicht al-lein das schmutzigste und schlechteste, sondern auch gerade das,welches am schwersten trocknet; so daß man dasselbe itzt nochkaum zum Gründen gebrauchet. Wie also, wenn Johann vonEyck das reinlichere und leichter trocknende Nußöl oder Mohnöl,anstatt des Leinöls, zuerst gebraucht hätte? Wie wenn er er-funden und gelehrt hätte, cs mit irgend etwas zu versetzen,welches das Trocknen noch mchr beförderte? Mit Vitriol, oderSpicköl, oder Firniß, oder was sonst zu dieser Absicht dienli-ches jemals erdacht worden.
Sonach hatte er zwar nur gelehrt, mit den Oclfarbcn ge-schwinder zu arbeiten: aber das allein fehlte auch nur, um dieOelmalerey in Aufnehmen zu bringen. Da man mit den Ocl-farbcn nun geschwinder malen konnte: so malte man auch öf-trer damit; und je öftrer man damit malte, desto deutlichererkannte man die mancherley Vorzüge derselben, um welche manin der Folge die Wassermalercy eben so sehr vernachlässigte,als man, vor dieser Verbesserung, bey der geläufigern Wasscr-malerey, die Oclmalcrey nur immcr vcrnachlaßigct haben konnte.
Dieses angenommen, würde cs dcnn begreiflich, wie, nachder Erzählung des Vasari, Johann von Eyck auf seine Erfin-dung, bey Gelegenheit eines ihm in der Sonnenhitze verun-glückten Gemäldes, habe fallen können. Weder ein blosses,noch ein mit Firniß überzogenes Wasscrgcmälde hatte er nöthig,einer starken Sonnenhitze lange auszustcllen. Oder wenn ercs nöthig hatte: so hatte er es nur wegen des Oclcs nöthig,woraus der Firniß zum Theil bestand, (x) Und hatte er esnur dcsscnwegen nöthig: so konnte er unmöglich auf den Ein-fall gerathen, sogar die Farben mit Oel abzureiben. Wahr-scheinlich trocknete er also schon dergleichen Farben an derSonne, und der Unfall, der ihm begegnete, brachte ihn nur
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