Druckschrift 
8 (1839)
Entstehung
Seite
271
Einzelbild herunterladen
 

Andreas ScultetuS .

271

ersticken können, daß nirgends weiter von ihnen etwas ge-höret worden.

Meine Achtung für ihn ward indeß durch diese Entdeckungeher vermehrt, als vermindert. Denn wenn ich ihm nun dieSchönheiten, die ich eines weit reifern Genies nicht für unwürdiggehalten hatte, um so viel höher anrechnen mußte: so lernteich zugleich seine Fehler von einer Seite betrachten, von welchersie mehr als bloße Verzeihung verdienen. Der vornehmste die-ser Fehler ist das Bestreben überall Gelehrsamkeit zu zeigen,durch welches auch in seinem besten Gedichte verschiedene Stellenganz unerträglich geworden. Es kommen Anspielungen vor,die auch mir, seinem so fleißigen Leser, noch zu gelehrt sind:obschon nicht gelehrt genug, um nur ein einziges Buch darumnachzuschlagen. Wenn ein Mann diesen Fehler hat: so ist escckele Pedantercy. Aber wenn ein Züngling darein verfallt:so zeigt er von einem vollen Kopfe, und ist einer von denwollüstigen Auswüchsen, die ein wenig mehr Geschmack in derFolge schon beschneiden wird. Etwas von diesem Fehler habenzu können, wäre manchem von unsern itzigen jungen Dichternsehr zu wünschen. Noch mehr aber manchem von unsern itzi-gen jungen Kunstrichtcrn: denn da diese Herren selbst keineVerse machen, so würden sie keine damit verderben, wohl aberin denen, welche nur damit verdorben sind, andere Schönheitendarüber nicht zu verkennen, geneigter seyn.

Eine von solchen schadloshaltendcn Schönheiten bey unsermDichter ist die Sprache, die so reich, so stark, so mahlerischist, daß sie nur mit der Opitzischcn verglichen zu werden ver-dienet. Flemming und Tscberning, und wie sie alle heissen,die dem Opitz damals nacheiferten, kommen ihm bey weitendarum nicht gleich.

Doch alles das wird Ihnen ohne mich zur Gnüge einleuch-ten, wenn Sie sich die Mühe nehmen, die Stücke nach derReihe nun selbst zu lesen, die ich Ihnen hierbey sende. Esstehet bey Ihnen, welchen Gebrauch Sie davon machen wollen.Wollen Sie denselben einen Platz in Ihrer Sammlung gönnen:so können Sie wenigstens auf Eines Dank gewiß rechnen.