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Bcrengarius Turonensis,
Ich sehe voraus, wie unendlich verschieden die Urtheile hier-über ausfallen müssen. Aber wer errathet auch nicht, welcheUrtheile allein entscheiden können? Unstreitig nur, die Urtheileder Theologen unserer Kirche: und unter diesen vorzüglich nurderer, welche die Sache, mehr nach dem Bedürfnisse, als nachdem Tone der Zeit, ermessen können und wollen.
Daß sodann des regierenden Herzogs Durchl. die Erlaub-niß zu dem Abdrucke des Manuskripts ertheilen dürften, glaubeich versprechen zu können. Ein so guter und weiser Fürst istzu sehr überzeugt, daß auch solche Schätze keine Schätze sind,wenn sie nicht jeder nutzen kann, der ihrer bedarf.
Ungern nur, möchte ich mich selbst der Ausgabe unterziehen.Ich kenne meine Kräfte; und begreife sehr wohl, was für einUnterschied es ist, eine dergleichen Handschrift für sich, so undso, zu brauchen, und sie der Welt in allen Stücken brauchbarzu machen. Schon das Bestreben dieses zu thun, würde michzudem mehr Zeit kosten, als ich von meinen andern Geschäftenentübrigcn kann. Diese mögen wichtiger seyn, oder nicht: essind doch immer mehr meine Geschäfte. Auch wünschte ich sehr,daß dem Derengarios die gute Aufnahme unter uns, so zu-vcrläßig gemacht würde, als möglich; welches nicht wohl andersgeschehen kann, als wenn ein Gottcsgelchrtcr von Würde underkannten Verdiensten ihn einzuführen sich gefallen läßt. Einemsolchen, er sey wer er wolle, will ich alles Recht, welches mirdie erste Entdeckung geben könnte, mit Vergnügen abtreten, under soll zu einer Arbeit willkommen seyn, zu der ich mich, einzigund allein in Ermanglung eines jeden andern Bcsorgers, zu ver-stehen gedenke.
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Der Inhalt meines Vorigen war eine Kleinigkeit, nur ei-nem Herausgeber nicht gleichgültig, der seinen Schriftsteller gernmit allen möglichen Erläuterungen und Rettungen in die Weltschicken will.<7)
(°) Es betraf die Nachwcisnng des Aufsatzes vom Doneda (in der«ill-evu-l ll'viiulcull kl-ieni. e tilul. I'. XI.VI.) i» welchem die Zeit, wen»Adelniaim mit Tode abgegangen, näher bestimmt werden soll, und mit wel-chem Herr Prof. Schmid seine Ausgabe noch hatte bereichern können.