Ericchischc Antl'olcgic,
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und Phtlippus auf immer verloren wären, würden wir, denkeich, von dem epigrammatischen Genie der Griechen einen etwasandern Begriff bekommen, als wir uns jetzt davon zu machen,vielleicht nur verleitet worden.
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Denn was stellet sich der größere Theil von Lesern, welcherdie Anthologie nur vom Hörensagen, und höchstens aus wenigBeyspielen daraus kennet, überhaupt darunter vor? Was sonstals eine Sammlung eigentlicher Sinngedichte, ganz in derManier, welche den Griechen, zu ihren besten Zeiten, eigenwar? Und diese Manier wofür hält er sie anders, als fürdas klare platte Gegentheil der Manier des Martials, welchesich vornehmlich durch Witz und boshafte Ucbcrraschung empfiehlt?Gleichwohl geht von dieser Vorstellung, wenn man sie auchnur bey dem Planndes und Äcphalas auf die Probe bringt,sehr vieles ab. Und wie viel mehr würde von ihr abgehen,wenn wir sie gar gegen jene ersten ursprünglichen Sammlungen,oder auch nur, wie gesagt, gegen die erste noch erträglicheVerfälschung und Verstümmelung derselben halten könnten! Zndieser, des Agathias nehmlich, war ein eigener Abschnitt saty-rischcr Sinngedichte; noch eines andern, welcher lediglich demLobe des Weines und der Schmauscrey gewidmet war, nicht zugedenken. Wenn diese aber nun in dem Rcphalas gänzlichfehlen; wenn sich Kcphalas, außer den verliebten Abschnitten,in welchen freylich mehr Empfindung als Witz seyn mußte,nur auf die dcdikatorischcn und scpulkralischcn, überhaupt nurauf die eigentlichen Aufschriften eingeschränkt, deren größtesVerdienst allerdings die Simplicität ist, deren Wirkung abernicht aus dieser bloßen Simplicität, sondern zugleich aus demsinnlichen Eindrucke entsprang, welchen das Denkmahl machte:wie kann man ihn dcmohngeachtet zum allgemeinen Maaßstabeannehmen, nach welchem es auszumesscn, wie viel Witz dieGriechen in allen vcrschicdncu Gattungen des Epigramms ge-licbct und zu brauchen vergönnet haben?
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Es mag sich nun freylich wohl aus dem satyrischen Abschnitte,welcher in dem Rcphalas mangelt, verschiedenes in der Samm-'.'essingS Werke vin> Z3