Druckschrift 
8 (1839)
Entstehung
Seite
519
Einzelbild herunterladen
 

Griechische Anthologie.

ter lind Spieler dionysische Künstler; und wenn es vergönntwar, das eine seiner Geschenke für das andere zu setzen: sokonnte gar wohl der Sieg, den er einem Dichter oder Spielerverlieh, eine süße Traube heißen, womit er diesen Liebling be-lohnen wollen. War nun aber die Freude über die Nachrichtvon einem solchen Siege dem Sieger tödtlich: wie konnte diesesin der poetischen Sprache, mit Fortsetzung der nehmlichen Me-tapher, anders lauten, als daß cr an einer Beere dieser süßenTraube leider erstickt sey?

Eine dergleichen Auslegung, weiß man wohl, kann auf keinestrenge Art erwiesen werden: sondern der Leser, bey dem sieGlück machen soll, muß ihr mit seinem eigenen Gefühle zuHülfe kommen.

Wer indeß ihr seinen Beyfall nur darum versagen wollte,weil noch andere alte Schriftsteller eben das von dem Todedes Sophokles berichten, was das Epigramm des Simonidcs,den Worten nach, zu sagen scheinet, der thäte sehr Unrecht.Denn alle diese andern Schriftsteller sind jünger als Simonides,und haben den poetischen Ausdruck desselben entweder in sei-nem Geiste nachgebraucht, oder wider seinen Geist verstanden.Jenes kann SocaOes gethan haben: dieses hingegen ist von demkläglichen Zusammcnschreiber der klo-xpo^v sehr glaublich,welches K.ucian unmöglich kann gewesen seyn. Es ist nichtjedem Auge gegeben, die Hülle zu durchschauen, in welche derDichter eine Wahrheit zu kleiden sür gut findet: aber wenneine dergleichen Hülle einmal für den Körper selbst gehaltenworden, so ist ganz begreiflich, wie sich mehrere hintergehenlassen, und der Betrug endlich dahin gedeihen kann, daß erschwerlich mehr zu widerlegen stehet.

(7.)

Freylich dürfte, bey dem allen, dieses Exempel sehr einzig inseiner Art scheinen. Ich füge also ein zweytes bey, welches diesenAnstoß nicht haben wird, ohne darum weniger merkwürdig zu seyn.

Vorgcdachter K.ucillius hat an einen Demostracus, der sicheinem schlechten Augenarzte unter die Hände begab, folgendesgerichtet. (')

(°) ä,NM, !>>>. II. ?!>>', ss.