Schreibmaterialien im Mittelalter. 129
Erst im löten Jahrhundert fand man, daß auch auf unge-leimtes Papier gedruckt, und durch die Buchbinder nach demDrucke beim Einbinden dem Papiere noch eine Art von Leim,doch nicht so stark als beim Papiermachen gegeben werdenkonnte, wodurch die Druckpapiere um Vieles wohlfeiler zusteheu kamen. Die späteren Verbesserungen und neueren Ent-deckungen in der Papierfabrikation, sowie die mannichfaltigenund zum Theil gelungenen Versuche zur Anwendung verschie-dener bisher ungewöhnlicher, thierischer und vegetabilischerStoffe zur Vereitung desselben :c. werden, als zur Geschichteder Papiermacherkunst selbst gehörend, hier, wo blos von derErfindung des Leinenpapiers die Rede war, übergangen.
§ 47.
Bei Erwähnung der Schreibmaterialien im Mittelalterdürfen auch die Schreibfedern nicht Übergängen werden. Daßman sich vor dem Gebrauche der Gänsekiele zum Schreibeneines gewissen Rohrs, wohl auch mehrerer Arten desselbenhierzu bedient habe, und schon die Alten dem Schreiberohreauch den Schnitt und den Spalt unserer Schreibfedern gegeben,ist bereits im §> 21 gemeldet worden. Daß sie unsere Feder-kiele gekannt, beweist Demosthencs, der 322 vor ChristiGeburt, während der Verfolgung durch Antipater au selbstgenommenem Gifte, welches er in einer Feder bei sich trug,starb. Aber zum Schreibe» haben sie sich derselben nicht be-dient. Zwar kommt eine Stelle im Juvenal vor, die aufdas Gegentheil bezogen werden kann; aber sie leidet mehrereAuslegungen, und kann deßhalb nicht als Beweis gelten.
Das älteste bis jetzt bekannte Zengniß vom Gebraucheder Schreibfedern findet sich bei Jsidor,^) welcher im Jahr636 nach Christi Gebnrr starb. Er gedenkt zuerst der Federnund ihrer gespaltenen Spitze, erwähnt aber neben denselbenauch noch des Schreiberohrs, woraus erhellt, daß damalsder Gebrauch der Federkiele zum Schreiben noch neu war.
1, ) ^nvvriülis süt)'. t, Z tg.
2. ) liiitlor <ZiiAvn.Ii. VI. > . 13. 132,
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