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Humboldt
der besonderen Eigenthümlichkeit der ganzen Sprache selbst. Die ansder Seele heraustönende specifiscbe Sprachanlage verstärkt sich in ihrerEigenthümlichkeit, indem sie wieder ihr eigenes Tönen, als etwas frem-des Erklingendes, vernimmt.
Wenn gleich jede wahrhaft menschliche Thätigkeit der Sprachebedarf, und diese sogar die Grundlage aller ausmacht, so kann docheine Nation die Sprache mehr oder weniger eng in das System ihrerGedanken und Empfindungen verweben. Es beruht dies auch nichtblofs, wie man wohl zuweilen zu glauben pflegt, auf ihrer Geisiigkeitüberhaupt, ihrer mehr oder weniger sinnigen Richtung, ihrer Neigungzu Wissenschaft und Kunst, noch weniger auf ihrer Cultur, einemhöchst vieldeutigen, und mit der gröfseslen Behutsamkeit zu brauchen-den Worte. Eine Nation kann in allen diesen Rücksichten vorzüglichseyn, und dennoch der Sprache kaum das ihr gebührende Recht ein-räumen .
Der Grund davon liegt in Folgendem. Wenn man sich das Ge-biet der Wissenschaft und Kunst auch völlig abgesondert von Allemdenkt, was sich auf die Anordnung des physischen Lebens bezieht, sogiebt es für den Geist doch mehrere Wege dahin zu gelangen, vondenen nicht jeder die Sprache gleich stark und lebendig in Anspruchnimmt. Diese lassen sich theils nach Gegenständen der Erkenntnifsbestimmen, wobei ich nur an die bildende Kunst und die Mathematikzu erinnern brauche, theils nach der Art des geistigen Triebes , dermehr die sinnliche Anschauung suchen, trockenem Nachdenken nachhan-gen, oder sonst eine, nicht der ganzen Fülle und Feinheit der Sprachebedürfende Richtung nehmen kann.
Zugleich liegt, wie schon oben bemerkt ist, auch in der Spracheein Doppehes, durch welches das Gemüth nicht immer in der noth-wendigen Vereinigung berührt wird; sie bildet Begriffe, führt die Herr-schaft des Gedanken in das Leben ein, und thut es durch den Ton.Die geistige Anregung, die sie bewirkt, kann dahin führen, dafs man,vorzugsweise von dem Gedanken getroffen, ihn zugleich auf einem an-deren, unmittelbareren Wege, entweder sinnlicher, oder reiner, unab-hängiger von einem, als zufällig erscheinenden Schall, aufzufassen ver-sucht; alsdann wird das Wort nur als Nebenhülfe behandelt. Es kann