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Humboldt
lieber den Rhythmus ist es in dieser Beziehung kaum nölhig, et-was hinzuzufügen. Das reine und volle Hervorbringen der Laute, dieSonderung der einzelnen, die sorgfältige Beachtung ihrer eigenthümlichenVerschiedenheil kann da nicht entbehrt werden, wo ihr gegenseitiges Ver-haltnifs die Regel ihrer Zusammenreihung bildet. Es hat gewifs rhyth-mische Dichtung bei allen Nationen vor dem Gebrauch einer Schriftgegeben, auch regelmäfsig sylbenmessende bei einigen, und bei wenigen,vorzüglich glücklich organisirten, hohe Vortrefflichkeit in dieser Behand-lung. Es mufs diese aber unlaugbar durch das Hinzukommen des Alpha-betes gewinnen, und vor dieser Epoche zeugt sie selbst schon von einemsolchen Gefühl der Natur der einzelnen Sprachlaute, dafs eigentlich nurdas Zeichen dafür noch mangelt, wie auch in anderen Bestrebungen derMensch oft erst von der Hand des Zufalls den sinnlichen Ausdruck fürdasjenige erwarten mufs, was er geistig langst in sich tragt. Denn beider Würdigung des Einflusses der Buchstabenschrift auf die Sprache istvorzüglich das zu beachten, dafs auch in ihr eigentlich zweierlei liegt,die Sonderung der articulirlen Laute, und ihre ä'ufseren Zeichen. Wirhaben schon oben, bei Gelegenheit der Chinesen, bemerkt, und die Be-hauptung lä'fst sich, unter Umstanden, auch auf wahrhaft alphabetischeSchrift ausdehnen, dafs nicht jeder Gebrauch einer Lautbezeichnung denentscheidenden Einflufs auf die Sprache hervorbringt, den die Auffassungder Buchstabenschrift in ihrem wahren Geist einer Nation und ihrerSju-ache allemal zusichert. Wo dagegen, auch noch ohne den Besitzalphabetischer Zeichen, durch die hervorstechende Sprachanlage einesVolks jene innere Wahrnehmung des articulirten Lauts (gleichsam dergeistige Theil des Alphabets) vorbereitet und entstanden ist, da geniefstdasselbe, schon vor der Entstehung der Buchstabenschrift, eines Theilsihrer Vorzüge.
Daher sind Sylbenmaafse, die sich, wie der Hexameter und dersechszehnsylbige Vers der Slocas aus dem dunkelsten Alterthum her aufuns erhalten haben, und deren blofser Sylbenfall noch jetzt das Ohr ineinen unnachahmlichen Zauber wiegt, vielleicht noch stärkere und siche-rere Beweise des tiefen und feinen Sprachsinns jener Nationen, als dieUeberbleibsel ihrer Gedichte selbst. Denn so eng auch die Dichtungmit der Sprache verschwistert ist, so wirken doch natürlich mehrere