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Reinhold's Fundamentalsatz des Bewufstseins hat zweiFehler, die ihm allen Boden entziehen. Zum ersten ist erkein absoluter und oberster Grundsatz, denn er ist demSatze des Widerspruchs unterworfen, und er ist zweitens keindurchgängig durch sich selbst bestimmter Satz, wie Reinholdmeint. 1 ) Während des Vorstellens findet die von ihm be-hauptete Unterscheidung der Vorstellung von ihrem Objektegar nicht statt; Vorstellung und Objekt sind ursprünglicheins, ihre Trennung ist erst ein Ergebnis der Reflexion. 2 )Nicht einzelne Teile der Wahrnehmung, sondern die ganzeVorstellung bezieht sich auf das Subjekt als Eigenschaft, aufdas Objekt als Zeichen für ein solches. 3 ) So ist durchausnicht bewiesen, dafs aufser der Form nicht auch der Stoftder Wahrnehmung aus dem Subjekte stammen könne. (EinSatz, der bekanntlich die Beachtung Fichte's auf sich ge-zogen hat). Die Unterscheidung von Form und Materie inder Vorstellung ist nicht ursprünglich, sondern erst eineFolge der Reflexion über die Merkmale in derselben und derVergleichung dieser Merkmale unter einander. 4 )
Gegen Kant's Ableitung seiner apriorischen Erkenntnis-elemente erhebt Schulze den Einwand, dafs die Erkenntnisdes Apriorischen, da sie nach Kant nicht durch Erfahrungerfolgen kann, überhaupt unmöglich sei. Kant irrt durchaus,wenn er meint, dafs das Bewufstsein der Notwendigkeit,welches gewisse synthetische Sätze begleitet, ein unfehlbaresKennzeichen ihres apriorischen Ursprunges enthalte; auchmit den Sinnesempfindungen ist trotz ihres empirischenUrsprunges das Bewufstsein ihrer Notwendigkeit verbunden. 5 )
*) Aenesidemus oder über die Fundamente der von d. Hr. Prof.Reinhold in Jena geliefert. Elementarphilos. 1792.») 1. c. S. 85.*) 1. c. S. 213.*) 1. c. S. 216.
5 ) 1 c. S. 144- S. 143: >Es läfst sich nämlich denken . . . dalsauch die Notwendigk., welche in gewissen Teilen dieser Erkenntnisangetroffen wild, durch die besondere Art und Weise, wie die