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Die Weiterbildung der Kant'schen Aprioritätslehre bis zur Gegenwart : ein Beitrag zur Geschichte der Erkenntnistheorie / Rudolf Eisler
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Überdies macht eine Ableitung der Notwendigkeit und All-gemeingültigkeit in unserer Erkenntnis aus dem Bewufstsein»das Dasein derselben im geringsten nicht begreiflicher alseine Ableitung eben derselben von Gegenständen aufser unsund von deren Wirkungsweise.« 1 ) Es ist auch durchausunstatthaft von der Beschaffenheit der Wirkung direkt aufdie Beschaffenheit ihrer Ursache zu schliefsen. Da das Dingan sich nach Kant völlig unbekannt ist, so ist es auch nachalledem unbekannt, was es bewirken und nicht bewirkenkann. 2 ) Auch das Subjekt des Erkennens ist nach Kantunerkennbar, somit ist seine Behauptung, es bringe die Formder Erkenntnis aus sich hervor, unbewiesen. Ebenso istunbewiesen die Annahme Kant's , der Inhalt der Wahr-nehmung, die Empfindung, sei eine Wirkung von Gegen-ständen auf uns. »Seine eigenen Resultate heben die Wahr-heit jenes bittweise angenommenen Satzes gänzlich auf,« 3 )da die Causalität als subjektive Denkform sich nur auf Er-scheinungen anwenden läfst. Schulze kommt zu demSchlufsergebnis , dafs weder < Hume's Skeptizismus 4 ) nochBerkeley's Idealismus durch Kant widerlegt seien. Kant'skritischer Idealismus ist selbst ein neuer Dogmatismus; 5 ) sosehr anerkennenswert die Absicht der Vernunftkritik ist, sounbefriedigend ist ihre Ausführung. Nach den Prinzipiender Kant'schen Philosophie ist unsere ganze Erkenntnis im

Aufsendinge unser Gemüt afficieren, und Erkenntnis in demselbenveranlassen, erzeugt werde.« Vgl. a. S. 151 52.

') (. c. S. 145.

2 ) 1. c. S. 145.- >

8 ) 1. c. S. 262. S. 265: >Die Vernunftkritik hätte also . . dar-thun müssen, dafs und warum das Gemüt nicht als die Quelle allerBestandteile unserer Erkenntnis angesehen werden dürfe.«

4 ) 1. c. S. 134: »Vielmehr erweist sie (die Vernunftkritik) alleihre Ansprüche über die Verschiedenheit der Quellen der menschl.Erkenntnis gerade nur durch solche Sätze, die Hume für ungewifsoder gar für täuschend hielt«. Vgl a. S 139.

6 ) 1. c. S. 257. Aenesidemus findet eine Verwandtschaft zwischenKant und Berkeley. Vgl. 1. c. S. 270.