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Die Weiterbildung der Kant'schen Aprioritätslehre bis zur Gegenwart : ein Beitrag zur Geschichte der Erkenntnistheorie / Rudolf Eisler
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wufstsein bereit, bemerkt Laas, da(s der Kant'sche An-schauungsraum doch als ein fertiger anzusehen sei: selbstbei Cohen ist das Vermögen zur Raumanschauung schonvor aller Erfahrung vorhanden.*) Eine reine Rauman-schauung ist na^h Laas ein Unding, zum mindesten mufsman sich den eigenen Leib als im Räume befindlich vor-stellen. 2 ) Überhaupt ist eine nicht empirische Erkenntnisartimaginär. Laas wirft Kant Voreingenommenheit für einselbst konstruiertes Ideal des Wissenschaft vor, welches er(wie Plato) vor den empirischen Durchführbarkeiten bevor-zuge. 3 ) Der Unterschied, den Kant zwischen analytischenund synthetischen Urteilen macht, ist nach Laas ein fliefsen-der. 4 ) Gegen die Apriorität der mathematischen Formenund Gesetze bringt Laas folgende drei Haupteinwände vor. 5 )Erstens folgt aus der Konstruktion der mathematischen Ge-bilde nicht, dafs man dieselben in abstracto denken müsseoder auch nur könne, wohl aber enthält in Verknüpfungmit der Anschauung im mathematischen Urteil der Subjekts-begriff schon das Prädikat in sich. Zweitens ist bei Kantder Unterschied zwischen den freien Konstruktionen derMathematik und den gebundenen der empirischen An-schauungen zu wenig hervorgehoben. Drittens ist es durch-aus unzulässig, Raum und Zeit als subjektive Anschauungs-formen hinzustellen und zu sagen, dafs sie in uns seien.Gewifs sind Raum und Zeit keine Klassenbegriffe, sondernsie sind wirklich »notwendige Formen« der Anschauung; 6 )das bedeutet aber nur, dafs sie Bedingungen der äulserenund inneren Erfahrung sind, nicht aber dafs sie blofs sub-jektiver Natur sind, eine Annahme, die zum Fichte'schen

') 1. c. S. 422.

a ) 1. c. S. 425.

3 ) 1. c. S. 439-

4 ) 1. c. S. 441.

6 ) 1. C. S. 44344-

6 ) 1. c S. 444-

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