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Die Weiterbildung der Kant'schen Aprioritätslehre bis zur Gegenwart : ein Beitrag zur Geschichte der Erkenntnistheorie / Rudolf Eisler
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bewufst. 1 ) Kant's Beweise für die Idealität der Erscheinungs-welt setzen das schon voraus, was sie nachweisen wollen:Ein den Relationen der ins Unendliche fortsetzbaren, kausal-gesetzlich determinierten Wahrnehmungswelt zu Grundeliegendes Absolutes, Totales, Freies, Intelligibles. 2 ) Dagegenist für Laas die Frage nach den Dingen an sich, derRelativität unserer Erkenntnis wegen überhaupt undiscutierbar.

9. Alois Riehl .

Riehl , einer der hervorragendsten Vertreter des kritischenEmpirismus hat bekanntlich in seinem Werke »Der philo-sophische Kritizismus« die Resultate seiner umfangreichenUntersuchungen über Wesen und Gültigkeit der Erkenntnisniedergelegt. Kritisch ist sein Unternehmen, weil es, wieKant's Vernunftkritik nicht auf die Gewinnung metaphysischerErkenntnis ausgeht, sondern in der Untersuchung des Wissens,seiner Form und seinem Inhalte nach, die einzige lösbareAufgabe der wissenschaftlichen Philosophie erblickt. DieErgebnisse seiner Forschungen betreffs der Natur des Aprioristimmen in vielen Punkten mit den noch darzustellendenAusführungen W. Wundt's überein. Auch die Methode, dieer bei seinen Untersuchungen anwendet, weicht nur unbe-deutend von derjenigen Wundt's ab. Im Ganzen aber weistdas Werk Riehl's eine stärkere Anlehnung an Kant auf.Während Wundt in seinem »System der Philosophie« esmeist vermeidet, sich des Näheren mit Kant auseinanderzu setzen und direkt von den Thatsachen der äufseren undinneren Erfahrung ausgeht, giebt Riehl zunächst (im erstenBande seines Werkes) eine gründliche Analyse der Vernunft-kritik und macht es sich dann zur Aufgabe die Lücken, diebei Kant sich vorfinden , auszufüllen und dessen Fehler zukorrigieren.

J ) 1. c. S. 502.8 ) 1. c S. 458.