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Die Weiterbildung der Kant'schen Aprioritätslehre bis zur Gegenwart : ein Beitrag zur Geschichte der Erkenntnistheorie / Rudolf Eisler
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Nach Riehl ist alle Erkenntnis Erfahrungswissen. Inder Erfahrung aber sind zwei Bestandteile enthalten: derWahrnehmungsinhalt, in welchem uns die Mannigfaltigkeitder Empfindungen gegeben wird, und die Gesetzmäfsigkeitdes Bewufstseins; letzteres nennt Riehl das »Überempirischein aller Erfahrung.« 1 ) Das Bewufstsein ist gleichsam derOrt für die Erscheinungen des Empirischen , die notwendigeVoraussetzung desselben. 2 ) Es sind also in der Erfahrungapriorische Elemente enthalten ; das Apriorische ist aber nichtin reinen Anschauungen und Begriffen gegeben, sondernliegt einzig und allein in der Form des Bewufstseins über-haupt. :! )

Apriorisch sind nach Riehl die Gesetze der allge-meinen Erfahrung, die für jede besondere Erfahrung sichgültig erweisen. Die Trennung von Subjekt und Objektist nicht ursprünglich, sondern ein Produkt der Entwicklungdes Bewufstseins. Die Empfindungen besitzen an sichMerkmale, die sie als Repräsentanten eines realen Seins er-kennen lassen, vor allem darin, dafs sie sich der Thätigkeitdes Bewufstseins als ein Gegebenes, von derselben Unab-hängiges aufdrängen. »Die Anschauungen der Sinne sindselbst die unmittelbaren Objekte des Wissens, das sinnlicheBewufstsein kennt keine weiteren Objekte aufser ihnen.« J )Die wissen schaftliche Reflexion erst führt die allmählich sichentwickelnde Trennung von Subjekt und Objekt zu Ende,indem von dem gesammten Wahrnehmungsinhalte alsnur subjektiv sich blofs die Gefühle der Lust und Unlusterweisen, während die übrigen Bestandteile zwar nicht als

l ) Der philosoph Kritizismus u. seine Bedeut. f. d. positiveWissensch. I Bd. i. Tl. S. 5.») 1. c. S. 5.

") 1. c. S. 8. S. 9 : »Das Wort Apriori bezeichnet ein begriff!,(nicht zeitl.) Verhältn. zwischen zwei Vorstell, oder Verbindungenvon Vorstell.« »Erfahrung ist das thätige Bewufstsein selber.«

*) 1. c. S. 56.