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-Dinge an sich, aber doch als die Erscheinungen einesUberempirischen in unserem Bewufstsein anzusehen sind.*)
Von den Fehlern, die Kant trotz seines eminentenScharfsinnes nicht vermieden hat, bezeichnet Riehl als einender schwerwiegendsten die Vernachlässigung der psycho-logischen Thatsache, dafs die Empfindung nicht allein ausder rein receptiven Natur des Bewufstseins hervorgeht,sondern dafs sie schon eine einfachste psychische Thätig-keit (das Unterschieds-Bewufstsein) einschliefst, die derurteilenden Reflexion gleichartig ist. ')
Nachdem wir so den allgemeinen Standpunkt, denRiehl inbezug auf das Apriorische in der Erkenntnis ein-nimmt, erörtert haben, gehen wir an die Darstellung seinerAuffassung der Anschauungsformen Raum und Zeit.
Nach Riehl ist Kant's Irrtum bezüglich der Aprioritätder Anschauungsformen in letzter Linie dem Umstände zu-zuschreiben, dafs Kant dabei von der mathematischen Formvon Raum und Zeit ausgeht; freilich beruhe aber auch da-rauf die partielle Wahrheit der Kant'schen Ideen. :i ) Kanthat richtig herausgefunden, dafs die Vorstellungen vonRaum und Zeit nicht in dem Sinne aus der Erfahrungstammen können, dafs sie einfach aus derselben abstrahiertsind, indem ja jede besondere Erfahrung wirklich dieseVorstellungen schon voraussetzt. Ebenso ist es richtig, dafsRaum und Zeit ein Formales sind, in dem der Empfindungs-inhalt sich ordnet. Aber Kant hat nicht bewiesen, dafs dieAnschauungsformen völlig unabhängig und trennbar vonaller Empfindung sind. Irgend eine Empfindungsqualitätmufs stets festgehalten werden, sollen Raum und Zeit nichtblofse Schemata bedeuten; um die Raumform der Gesichts-
*) D. ph. Kr. 2. Bd. i. Tl. S. 61-63. S. 72. »Wir erfahrendurch den Zwang, womit uns die Mannigfaltigkeit der Empfindungenbestimmt, dafs das Bewufstsein durch eine Wirklichkeit begrenztwird, die es nicht selber ist.«
3 ) D. ph. Kr. 2. Bd. 1. Tl. S. 43. 1. Bd. S. 25.
3 ) 1. c. S. 101.