Begriffen erkennen, so ist, meint Riehl, die Thatsache , dafswir eine solche Erkenntnis besitzen, unbestreitbar; dieMathematik und die Naturwissenschaft lehren dies zur Ge-nüge. Wie verhält es sich nun mit der Entstehung derallgemeinsten Begriffe, der Kategorien? Riehl bezeichnetdie Denkbegriffe als »die durch Reflexion bewufst ge-wordene Gesetzlichkeit des Denkens.« l ) Es giebt nach ihmkeine apriorischen, ursprünglichen Formen des Denkens,die unabhängig von aller Erfahrung sich entwickeln sollen,aus ähnlichen Gründen, wie das Nichtvorhandensein reinerAnschauungsformen dargethan wurde. Kant hat nicht Un-recht, wenn er behauptet, dafs die allgemeinsten Begriffenicht aus der Erfahrung herstammen; sie würden thatsäch-lich niemals gebildet werden können, wenn ihnen nichtetwas Apriorisches zu Grunde läge. Dieses apriorischeMoment besteht aber nur in der formalen Einheit des Be-wufstseins; aus derselben entspringen die Gedankenformenin der Weise, dafs ihre Verwirklichung nur an den Gegen-ständen und ihren Verbindungen stattfinden kann. 2 ) »DieKategorien stammen aus einem einzigen obersten Prinzipeher, dem Prinzipe der Einheit und Erhaltung des Bewufst-seins überhaupt.«") So sind die allgemeinen Verstandes-formen in keinem anderen Sinne apriorisch, als eine jedeVorstellung ist. »Jede Vorstellung ist ein Produkt der be-sonderen Erfahrungen in die Gesetze der allgemeinen,welche letztere allein , erkenntnistheoretisch genommen,apriorisch ist.« 4 )
Die Analyse des Bewufstseins legt uns auch den Umfangund die Grenzen der Erkenntnis klar. Die Anschauungs-formen Raum und Zeit sind zugleich Gröfsenbegriffe, »diein den Verhältnissen der Mannigfaltigkeit de^ Empfindungen
') D. ph. Krit. i. Bd. S. 276.
-) D. ph. Krit. 1. Bd. S. 384.
») D. ph. Kr. 1. Bd. S. 68.4 ) 1. c. S. 8.
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