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Die Weiterbildung der Kant'schen Aprioritätslehre bis zur Gegenwart : ein Beitrag zur Geschichte der Erkenntnistheorie / Rudolf Eisler
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ihre empirischen, realen, in den logischen Fähigkeiten unseresGeistes ihre ideellen Grundlagen haben.« ] ) Ebenso verhältes sich mit den allgemeinen Erfahrungsbegriffen. ") IndemRiehl den von Herbart betonten Satz: »In der Form desWissens liegt zugleich sein Gehalt« adoptiert, gelangt er zudem Resultate, dafs zwischen den logischen Formen der Er-scheinungen und den einfachsten Verhältnissen der Realitäteine Congruenz existiert. :i ) Erkennbar sind für uns also dieGrenzen der Dinge; damit ist zugleich angedeutet, dafs wirüber das Ansich der Dinge nichts wissen können und eineMetaphysik in dem Sinne einer solchen Erkenntnis unbrauch-bar ist.

Wir haben gesehen, dafs bei Riehl die Apriorität einzigund allein für die allgemeine Gesetzmäfsigkeit des Bewufst-seins, welche in der synthetischen Identität desselben wurzelt,Gültigkeit hat. Auf diese Weise hat Riehl den Kant'schenBegriff der »tanscendentalen Apperception« weiter entwickeltund sich dadurch das Verdienst erworben, alles dunkle undUnbestimmte, das in diesem Begriffe noch enthalten ist, ausihm entfernt und in ihm einen überaus wichtigen und er-kenntnistheoretischen Faktor erkannt zu haben.

io. Wilhelm Wundt .

Die erkenntnistheoretischen Probleme behandelt Wundt in seiner »Logik«, dem »System der Philosophie« und ineinzelnen Abhandlungen, von denen die wichtigste für dasVerständnis der Stellung, die Wundt zu Kant nimmt, denTitel »Was soll uns Kant nicht sein?« trägt. Gewissermafseneine Parallel-Schrift zu Paulsen's Essay, >was uns Kant seinkann«, mag uns diese Abhandlung als vortrefflicher Leit-

') D. ph. Kr. 2. Bd. i. Tl. S. 107.

-) Vgl. d. ph. Kr. 1. Bd. S. 11: »Die Kategorien sind die all-gemeinen appercipierenden Vorstellungen«.») 1. c S. 24.