Druckschrift 
Die Weiterbildung der Kant'schen Aprioritätslehre bis zur Gegenwart : ein Beitrag zur Geschichte der Erkenntnistheorie / Rudolf Eisler
Entstehung
Seite
77
Einzelbild herunterladen
 

- 77 ~

fahrung hervorgeht, aber nicht aus der Erfahrung des ge-meinen Verstandes allein, sondern aus der durch das Denkenberichtigten und erweiterten wissenschaftlichen Erfahrung. 1 )Die sonstigen in dieser Schrift enthaltenen Bemerkungen, diesich auf das Apriori beziehen da sie wesentlich mit denAusführungen Wundt's in seinen Hauptschriften überein-stimmen übergehen wir hier.

In der Begründung seiner Erkenntnistheorie, insbe-sondere seiner Auffassung des Apriori, geht Wundt vonderjenigen Thatsache aus, deren Nichtbeachtung verhängnis-voll für die Philosophie Kant's geworden ist, von der That-sache nämlich, dafs die Trennung von Subjekt und Objektkeine ursprünglich gegebene ist, sondern als ein Produktder sich entwickelnden Reflexion betrachtet werden mufs. 2 )Ursprünglich ist die Vorstellung im Bewufstsein gegeben alsungetrennte Einheit; erst allmählich lernen wir darin einensubjektiven Teil von einen entgegenstehenden objektivenTeile unterscheiden. 3 ) Hält man daran fest, dafs die Dingeursprünglich nichts anderes sind als die objektive Seiteunserer Vorstellungen, so ist der Sprung von Vorstellungenauf Dinge an sich vermieden. l ) Eine weitergehende Analyseder Erkenntnis zeigt, dafs es nirgends eine Anschauung ohneDenken, aber auch kein Denken ohne irgend einen Inhaltgiebt. u ) Nur an seinem gegebenen Inhalte bethätigt sich dasDenken in einer Gesetzmäfsigkeit, in ihm nur hat es seinereale Existenz; ein reines Denken ist uns ebenso wenig alseine reine Anschauung gegeben.") Auch ist das Denken

') 1. c. S. 47-

*) Logik, L 2 A. S. 424: »Ursprünglich ist die Vorstellungeines Gegenstandes eins mit dem Gegenstande«.3 ) System der Philosophie. 1889. S. 92101.*) 1. c. S. 104.s ) 1. c. S. 120.

6 ) Logik I. 2. A. S. 435: »Das Denken ist keine leere Form,der abgesehen von jedem Inhalt irgend eine reale Existenz zukommenkönnte.«