winnen, wie weit es Rußland gelungen ist, auf seinem eigenenMarkte und bei seinen inländischen Banken größere Beträge zuplacieren. Jedenfalls ist sicher, daß ein großer Teil der Geld-beschaffung durch die russische Reichsbank übernommen wordenist, deren Status eine sehr starke Anspannung zeigt. Daß derrussische Finanzminister das dringende Bedürfnis nach derbisher allzu kargen Äilfe seiner Verbündeten verspürt, beweistseine Bittfahrt zu seinen französischen und englischen Kollegenin Paris .
Wenn wir uns über die russische finanzielle Bedrängnis nichtzu wundern brauchen, so ist doch Frankreichs Unvermögen zujeder durchgreifenden Aktion selbst für solche Leute erstaunlich,die — wie ich — seit langer Zeit die Finanzkraft und Finanz-kunst dieses Landes mit einigen Zweifeln betrachteten. Frankreich hat bekanntlich kurz vor Kriegsausbruch im Juni 1914 eineZi/zprozentige Anleihe von 800 Millionen Franken herausgebracht.Es hat mit allen Künsten der Regie, auf die man sich in Paris ausgezeichnet versteht, eine vierzigfache Äberzeichnung arrangiertund dadurch einen überwältigenden Scheinerfolg der erstauntenWelt vorgezaubert. Aber schon vor der kritischen Zuspitzung derpolitischen Verhältnisse hielt dieser Erfolg nicht Stich. Die An-leihe ging bald unter den Ausgabekurs herunter. Dann kam derKriegsausbruch, und es stellte sich heraus, daß ein großer Teilder Zeichner, die die vierzigfache Äberzeichnung zuwege gebrachthatten, nicht in der Lage waren, die fällig werdenden Einzah-lungen zu leisten.
An eine neue Anleihe im Inland war unter diesen Umständenzunächst überhaupt nicht zu denken. Der französische Kapitalmarktwar total desorganisiert. So eröffnete Frankreich seine finanziellenKriegsoperationen mit einem gewiß nicht überwältigenden Pumpvon 2 Millionen Pfund Sterling in London . Es erfolgten dannim November und Januar zwei kurzfristige Operationen in London und Neuyork, deren Gesamtertrag etwa 20 Millionen PfundSterling ausmacht. An den Inlandsmarkt wagte man überhauptnicht mit einer einheitlichen Finanzoperation heranzutreten; viel»
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