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[1] (1915) Reichstagsrede am 10. März
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sondern nur von 94°/« zu bezahlen hatten. Sie sehen also: derKurs, zu dem diese fünfprozentige Anleihe herauskommt, ist wesent-lich ungünstiger als der Kurs, zu dem wir unsere Kriegsanleiheunterbringen können.

Nun kommt aber die allermerkwürdigste Bedingung in diesemneuen Anleihegeschäft. Sie besteht darin, daß die Einzahlungenauf die neue Anleihe nicht ausschließlich in Bargeld zu leistensind, sondern daß sowohl Stücke der verunglückten Anleihe vomJuni 1914 als auch die sogenannten Ribotins auf die Anleihein Zahlung genommen werden. Die Stücke der Anleihe von 1914werden sogar zum ursprünglichen Emissionskurs von 91 ange-nommen, während der Kurs auf dem Markte inzwischen um mehrals 1v°/g zurückgegangen ist.

(HörtI hörtl)

Ich kann mir nicht denken, daß es in Frankreich einen Kerl gibt,der so dumm ist, daß er unter diesen Umständen nicht seine An-leihe von 1914 zurückbringt und dafür die neue fünfprozentige An-leihe nimmt.

(Zustimmung und Heiterkeit.)Die ganze Operation mag sich also darin erschöpfen, daß die fran-zösische Regierung möglicherweise einen Milliardenerfolg erzielt,daß vielleicht gegen 3 Milliarden gezeichnet werden, daß sie abernicht einen Centime bares Geld für diese 3 Milliarden bekommt.

(Erneute Heiterkeit.)Ich habe heute, gerade als ich zur Sitzung ging, noch ein Tele-gramm gelesen, nach dem die Zeichnung, die jetzt schon geschlossensei» sollte, verlängert worden ist, weil bisher nur so etwas wie609 Millionen gezeichnet worden seien und davon nur 80 MillionenFranken in barem Geld. Meine Herren, Sie sehen also: diefranzösische Finanzpolitik scheint in diesem Kriege ihren Ehrgeizzum großen Teil darin zu suchen, aus Papier mit großer KunstPapier zu machen.

(Heiterkeit.)

Die recht großen russischen und französischen Schwierigkeitenlassen es begreiflich erscheinen, daß die Finanzminister der beiden

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