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[1] (1915) Reichstagsrede am 10. März
Entstehung
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Verkehr mit seinen Bundesgenossen die Grenze zwischen Freund-schaft und Geschäft genau zu respektieren.

(Große Heiterkeit.)Wenn ich vorhin die französische Finanzpolitik dahin charakte-risiert habe, daß sie die Kunst verstehe, aus Papier Papier zumachen, so kann ich der englischen Finanzpolitik die viel größereKunst nicht abstreiten, daß sie es versteht, aus dem mürben Lederihrer Schutzbefohlenen und Verbündeten für sich selbst goldeneRiemen zu schneiden.

(Sehr gut!)

Aber, meine Äerren, trotz aller dieser Künste, deren Nachahmungjenseits der Grenze unseres Ehrgeizes liegt,

(Sehr gutl)

glaube ich versichern zu können, daß wir mit unserer klaren undsicheren Anleihepolitik bisher nicht schlecht abgeschnitten haben,daß wir das Recht und den Erfolg auf unserer Seite haben;und dieser Eindruck wird bestätigt durch einen Blick auf dieNotenbanken der beteiligten Länder. Ansere Reichsbank hebtsich aus dem Kreise der sämtlichen großen Zentralnotenbankengeradezu glänzend heraus durch die Tatsache, daß es gelungenist, ihren Goldbestand in einem ungeahnten Maße zu stärken.Sie hat ihren Goldbestand, der bei Kriegsausbruch rund 1 Mil-liarde 250 Millionen Mark betrug, auf etwa 2 Milliarden300 Millionen Mark erhöht, also um rund eine Milliarde. Dieganze Bevölkerung hat dabei mitgewirkt und hat dazu beigetragen,die stattlichen Goldreserven des freien Verkehrs in die Banküberzuleiten, also an diejenige Stelle, wo in Kriegszeiten dasGold am wirksamsten ist; und dieser Zustrom dauert fort.Woche für Woche kann die Reichsbank eine Anzahl vonMillionen neues Gold aufzeigen. Ich möchte nicht unterlassen,von dieser Stelle aus allen zu danken, die sich in patrio-tischem Sinne um diese Stärkung unserer Zentralbank unddamit um die finanzielle Wehrkraft unseres Vaterlandes ver-dient gemacht haben.

(Bravo I)

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