Druckschrift 
[1] (1915) Reichstagsrede am 10. März
Entstehung
Seite
51
Einzelbild herunterladen
 

unsere Forderungen an das Ausland zu saldieren, ist uns alsojetzt in der Kriegszeit verschlossen. Überdies hat unsere Ausfuhrjetzt im Kriege noch stärker gelitten als unsere Einfuhr, undunsere Einfuhr konzentriert sich in der Hauptsache auf einebestimmte Anzahl von neutralen Ländern. Wir müssen dieZahlungsmittel für diese Länder schaffen, und diesem Bedarf anZahlungsmitteln steht kein entsprechendes Angebot gegenüber.Der Ausgleich würde allerdings erfolgen können durch Gold-sendungen nach dem Ausland. Aber wir sind der Ansicht, daßdie Erhaltung eines möglichst starken Goldbestandes zurzeitwichtiger ist als die Bewertung der deutschen Mark im Ausland.

(Sehr richtig!)

Die niedrige Bewertung der Mark im Ausland hat zur Folge,daß wir gewisse Artikel, die wir aus dem Ausland beziehenmüssen, in unserem Gelde entsprechend höher bezahlen. Aberdiesen Nachteil können und müssen wir in Kauf nehmen, zumalda die unsere Valuta beeinflussenden ungünstigen Momente ledig-lich vorübergehender Natur sind.

Im übrigen, meine Herren, der englische Äohn über die un-günstigen deutschen Wechselkurse ist doch in der letzten Zeit etwasschüchterner geworden. Denn trotz fortgesetzter Goldabgabe derBank von England hat der Kurs des Pfundes Sterling, derfür die Engländer ein unverrückbarer Pol in den Bewegungenund Schwankungen des internationalen Geldmarktes ist, eineEntwertung bis 3°/o gegenüber dem amerikanischen Dollar er-fahren.

(Äört! hört!)

Das ist eine Erscheinung, wie sie seit hundert Iahren, seit demAbschluß der Napoleonischen Kriege, niemals dagewesen ist. Derbritische Äohn beginnt also auf seine Arheber zurückzufallen.

Ich glaube also, wir dürfen auch gegenüber den Erscheinungenauf dem Wechselmarkt durchaus unser kaltes Blut behalten. Nachdem Kriege aber wird ohnedies die beste Valuta die Valuta desSiegers sein.

(Sehr richtig!)

51