Meine Herren, wenn es uns bisher gelungen ist, den ge-wachsenen finanziellen Anforderungen des Krieges so gut undbesser zu genügen als die mächtigsten unserer Feinde, und wennwir mit Vertrauen der weiteren Entwicklung dieses Teils desgroßen Völkerringens entgegensehen dürfen, so wollen wir unsin aller Bescheidenheit klar darüber sein, daß dieser Erfolg nichtlediglich auf den vor dem Kriege angesammelten Kapitalien, auchnicht lediglich auf der gesunden und leistungsfähigen Organisationunseres Geld- und Kreditwesens, auch nicht etwa nur auf derKunst der finanziellen Kriegführung beruht. Die Grundursachenliegen tiefer. Starke Finanzen sind undenkbar ohne starke Volks-wirtschaft, und — Gott sei Dank! — eine starke Volkswirt-schaft haben wir. Meine Kerren, wer mitten in den großenEreignissen steht und in der täglichen Arbeit, wie wir dasalle tun, am sausenden Webstuhl der Zeit mitwirkt, der mußsich von Zeit zu Zeit geradezu einen Ruck geben, um gewisser-maßen Distanz zu den Dingen zu gewinnen und sich der Größeder welthistorischen Vorgänge bewußt zu bleiben. Mit dasallergrößte Phänomen in all dem Wunderbaren, das um unsvorgeht, ist die Anpassung der deutschen Volkswirt-schaft an die durch den Krieg gänzlich veränderten Vorbe-dingungen des wirtschaftlichen Lebens und die durch den Krieggeschaffenen Bedürfnisse.
(Lebhafte Zustimmung.)Meine Herren, wir müssen uns mit diesem Nuck, von dem ichsprach, daran erinnern, daß Deutschland vor dem Krieg einenAußenhandel hatte, der die Jahressumme von 20 Milliarden Marküberschritt, einen Außenhandel, der nur noch von demjenigenEnglands unerheblich übertroffen und nur von demjenigen derVereinigten Staaten annähernd erreicht wurde. Einfuhr undAusfuhr mit ihren Riesensummen bildeten einen so großen Be-standteil unserer gesamten Volkswirtschaft, waren so eng mit denwichtigsten Zweigen unserer Produktion und unseres Konsumsverflochten und verwachsen, daß ein Stillegen dieses gewaltigenAußenhandels ohne die schwersten Störungen, ja ohne lebens-52