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2 (1915) Reichstagsrede am 20. Aug. u. 14. Dez.
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Leuten bekommen, die fragen: wie sollen wir künftig Kriegsanleihenzeichnen, wenn wir nicht wissen, ob wir nicht nach Ablauf des Kriegeseiner schweren und vielleicht konfiskalorischen Steuer unterliegen?Wir dürfen nicht in die Lage kommen, eventuell mit großem Kurs-verlust für die Zwecke der Steuerzahlung Papiere verkaufen zumüssen, die wir heute anschaffen. Aus diesen Erwägungen herausmüssen wir darauf bedacht sein, daß eine Steuer, wie wir sie in Aus-sicht genommen haben, auch in Kriegsanleihen gezahlt werden kann.

(Zuruf: Zum Nennwert?) Selbstverständlich zum Nennwert!

Wenn wir demnach, solange wir hoffen können, daß unserordentliches Budget balanciert, ohne daß wir neue Einkommen-quellen erschließen müssen, auf neue Steuern verzichten, so stehenwir damit nicht allein in der Welt und unter den Kriegführendenda. Sogar England , das sich in dem ersten Monat des Kriegesstolz zu der guten alten Tradition bekannte, daß Kriege zu einemerheblichen Teile durch Steuern finanziert werden müßten, hat sichunter dem Zwange der Tatsachen zu einer anderen Ansicht be-quemen müssen. Noch im letzten Äerbst lockte den damaligenSchatzkanzler das Vorbild der Napoleonischen Kriege, deren Kostenzu mehr als 40 Prozent durch Steuern und zu weniger als 60 Pro-zent durch Anleihen gedeckt worden sind; aber es ist bei der damals,im Herbst, in England beschlossenen Erhöhung der Einkommensteuer,der Biersteuer und Teesteuer geblieben, bei Steuererhöhungen,deren Ertrag nach jetzt vorliegenden englischen Schätzungen nuretwa 5 Prozent des Geldbedarfs des ersten Kriegsjahres ausmacht.Ein zweiter Versuch, Steuererhöhungen durchzusetzen, ist im Früh-jahr dieses Jahres sang- und klanglos wieder ausgegeben worden.And wenn neuerdings die englische Negierung mit dem Gedankenspielt, im Wege der Besteuerung neue Mittel dadurch zu beschaffen,daß sie auch die bisher freien Arbeitslöhne zur Einkommensteuerheranzieht, so ist sie damit heute schon auf so großen Widerspruchgestoßen, daß das Schicksal dieser neuen Idee heute kaum mehrzweifelhaft sein kann.

Meine Äerren, wie die Dinge liegen, bleibt also vorläufignur der Weg, die endgültige Regelung der Kriegskosten durch dasMittel des Kredits auf die Zukunft zu schieben, auf den Friedens-schluß und auf die Friedenszeit. And dabei möchte ich auch heutewieder betonen: Wenn Gott uns den Sieg verleiht und damit die

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