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Reichsgold : Studien über Währung und Wechsel / von Ludwig Bamberger
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Die Erklärung für die Möglichkeit, daß ein Land mehrWaaren ein- als ausführt, ohne mit baarcm Gelde den Über-schuß auszugleichen, liegt übrigcus nicht blos in dem Ge-winne, welcher auf die ausgeführten Waaren erzielt wird,sondern noch mehr in dem Verhältniß der Kapitalvorschüssc,welche ein Land dem andern macht in Gestalt von Darlehenan Staat, Gemeinden und industrielle Unternehmungen. DieZahlung von Zinsen und die Rückzahlung von Kapitalienbilden eine regelmäßige Einnahme von Land zu Land, welchenicht in der Ansfnhrlistc figurirt, nnd die zu einem wesent-lichen Theile als Ausgleichungsmittel für bezogene Waarendient. Diesen Gedanken ausführend hat Soetbecr mitRecht eine Unterscheidung aufgestellt zwischen der Waarcn-balanz und der ZahlungSbalanz der Länder.^) Und er hatauf unsere besondern Verhältnisse aus diesen so diffcrenzir-ten Voraussetzungen die Nutzanwendung gemacht, daß Deutsch-land einen großen Theil seines Waarcnbezngs mit den Ein-nahmen ans den Kapitalanlagen bezahle, welche wie bekannt,seine Angehörigen in fremden Wertpapieren zu machen einebesondere Neigung haben.

Hat das alles seine Richtigkeit, so löst es uns nochnicht die. Frage, ob diese verschiedenen Umstände vereinigtdie Thatsache aufheben, daß wir alles in allem mehr Werthevom Auslande beziehen als wir ihm in irgendeinerForm verabfolgen; mit andern Worten: ob die Zahlender Waarcnbalanz combinirt mit denen der Zahluugsbalanzdie Ausgleichung der beiden Strömungen herstellen.

*) Siehe hierüber außer den neuesten Schriften von Soetbeer auchdie von Seydt uud die Denkschrift von Leon Sah über die 5 Mil-liarden.