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Reichsgold : Studien über Währung und Wechsel / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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Functioncn nicht begehrt waren. Ist aber vollends das ineinem Lande geltende Circnlationsmittcl sowol activ nichtzur Zahlung ans Ausland, als Passiv nicht znm Empfangvon Zahlungen des Auslandes zu brauchen, so entzieht sichdie Schwankung seiner Wechselcurse jeder Berechnung. Dennstatt auf irgcudciucr metallischen, wahrnehmbaren Grund-lage zu rnhen, sind sie das undurchsichtige Schlußcrgcbnißeiner unendlichen Reihe von Geschäften, die sich theils umsämmtliche Aus- und Einfuhrartikel, theils um die Totalität-der Crcditgeschäfte drehen. Anknüpfend an den Zustand,uuter dessen Herrschaft das Land noch eine brauchbare me-tallische Währung hatte, entwickelte sich allmählich ciu Spielvon Tauschbewcgnngcn, bei welchem die Prcisverschicbungcnder inländischen Waaren- und Crcditgeschäfte nach mehr oderminder zufällige» Umständen den Wechsclcurs aufs Aus-land bestimmen.

Die inländische Münze, vom metallischen Siuu gauzlosgelöst, wird Fiction, und ihr Werth bestimmt sich nichtmehr nach einem ihr selbst beiwohnenden Gehalte, sondernblos nach den Dingen, welche mit ihr bezahlt werden, nachder Stellung in Angebot und Nachfrage der Waaren unter-einander. Diese wechselnden Stellungen werden in denZahlen des fictivcn Geldes ausgedrückt, und zu dcu Ein-flüsseu der Waarcubcwcguug gesellt sich der Einfluß, welchendie Ncgicrnngsgcschäftc auf dieselbe fictive Währung aus-üben. Dann wird mit der Zeit der Werth eines solchenGeldes unberechenbar und dnnkcl; und die Erfahrung gibtuns blos gewisse Fingerzeige, um von ohngcfähr zu erra-then, welche Vorkommnisse die eine oder die andere Strö-mung verstärken werden. Aber Grenzen lassen sich nicht