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Nun ist die Frage: Wie soll Deckung gefunden werden? Das grund-sätzliche Ziel ist, daß die laufenden Kontributionen aus den laufendenEinnahmen zu deckeu sind. Das ist das Ziel, dem wir zustreben müssen,und um dessentwegen wir auch vor einer neuen Besteuerung nicht zurück-schrecken dürfen. Wir stehen jetzt vor der zweiten Phase der deutschen Fiuanzreform. In der ersten galt es der Durchführung des Gleich-gewichts im inneren ordentlichen Etat. Diese Phase ist gekennzeichnetdurch eine Reform der direkten Besteuerung. Nun kommt die Sorge fürden Reparationsetat, und hier müssen auch die indirekten Steuern syste-matisch durchgebaut werden. Trotz der hohen Belastung für das ganzeVolk wird man doch mit allem Nachdruck versuchen müssen, auch die in-direkten Steuern zu vervollkommnen und auszubaueu an den Punkten,wo sie noch ausbaufähig sind. Es muh auf diese Weise möglichstes Gleich-gewicht zwischen direkter und indirekter Besteuerung herbeigeführt werden,damit die Gesamtheit der Steuern für das deutsche Volk tragbar erscheint.
Was die direkten Steuern, die sogenannten Vcsitzsteuern anlangt, sohandelt es sich um folgendes: Wir müssen zunächst sehen, aus der neuenEinkommensteuer möglichst hohe Erträge herauszuwirtschaften durch Ver-besserung der Technik, der Hebung und der Kontrolle.
Weiter ist gedacht an eine „Veredelung" des Reichsnotopfers. Dazutritt der Ausbau anderer Steuerarten, so eine starke Erhöhung derKapitalertragssteucr, eine Aenderung der Besteuerung der Versicherungenund ein Ausbau der Kraftfahrzeugsteuer, auch eine Wcttrennsteuer istvorgesehen. Unter den indirekten Steuern steht vornan die Erhöhungvon Zöllen und der Ausbau bestehender indirekten Steuern, so der Kohlen-.Zucker-, Tabak- und Biersteuer, weiter der Ausbau des Branntwein-monopols, der Mineralwassersteuer, der Zündholzsteuer und die Schaffungeines Schießstoffmonopols. Die Veredelung des Reichsnotopfers ist un-bedingt erforderlich. Auf diese Weise wird am einfachsten nnd sachge-mäßesten die Besteuerung der Realwerte gestaltet werden.
Nun kommt die Frage des Ertrages eines solchen Umbaues des Reichs-uotopfers. Die Schätzungen sind außerordentlich schwer. Jedenfalls dürfe»wir, wenn wir vorsichtig schätzen, mit mindestens 7 bks 8 Milliarden jähr-lich rechnen.
Vor einigen Monaten ist das Problem aufgetaucht — das darf ichin diesem Zusammenhang erwähnen — von der Beteiligung der öffent-lichen Körperschaften, insbesondere des Reiches, an der Industrie. DieserGedanke unterliegt zurzeit in der Reichsregieruug der Durcharbeit undErörterung. Zunächst ist der Teil in Angriff genommen worden, der dieBeteiligung an größeren Unternehmungen vorsieht. Diese Beteiligungsoll durch Anfall eines Teils der Dividende gesichert werden. Weiterkommt in Frage in diesem Zusammenhang die Besteuerung des Vermögens-zuwachses. der allerdings schon durch die frühere Kriegsabgabe und durchdas Reichsnotopfer und die Einkommensteuer erfaßt ist. Aber es erscheintdoch geboten, den nach dem 31. Juli 1919 oder weuigsteus nach dem31. Dezember 1919 entstandenen Vermögenszuwachs noch durch eine ein-malige große Abgabe zu erfassen. Eine sehr bedeutende Vermehrung derEinkommen- und Bcsitzsteuer erwartet die Finanzverwaltung von einererheblichen Verbesserung der Steuertechnik. Von der Verbesserung derVeranlagungstechnik erwarten wir ein Mehr von 8 Milliarden gegendas Vorjahr, was zur Voraussetzung hat, daß das Wirtschaftsleben nichtweiteren Störunge« ausgesetzt wird und keine weiteren großen Schwan-kungen im Geldwert eintreten. Eine vorläufige Uebersicht des Reichs-finanzministeriums ergibt, daß nach Durchführung der Steuergesetze wirnach vorsichtiger Schätzung mit etwa 8V Milliarden Gesamtsteuereinnahmerechnen können.
Zwischen den Steuereinnahmen und dem dauernden Bedarf dernächsten Jahre ergibt sich eine nicht unwesentliche Spannung. Diese mußausgefüllt werden, indem die Kohle nutzbar gemacht wird und anderer-seits die Frage der steuerlichen Spannung zwischen den Inlandswerten
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