4 -
Rede des Abgeordneten Or. Helfferich.
Or. Helfferich: Meine Damen und Herren! Ich glaube,daß es in dem hohen Hause niemand gibt, der nicht den letztenWorten des Herrn Reichskanzlers voll zugestimmt hat. DieZustimmung wäre vielleicht noch größer gewesen, wenn der Tonnoch um einige Grade stärker und schärfer gewesen wäre.(Widerspruch links und bei den Deutschen Demokraten.) Es istnicht nur, wie der Herr Reichskanzler gesagt hat, eine „ge-schichtlich merkwürdige Situation", daß man uns gleichzeitig. mit den sogenannten „Sanktionen", ich sage: mit den uner-hörtesten Erpressungen, die die Weltgeschichte je gesehen hat,geißelt und peitscht, und daß man gleichzeitig das Höchstmaßvon Leistungen von uns verlangt. (Lebhafte Zurufe links: dieFolgen Ihrer Politik! Unruhe und Gegenrufe rechts.) Dasist nicht nur „geschichtlich merkwürdig", sondern das ist in derganzen Weltgeschichte seit der Vernichtung Karthagos uner-hört. (Stürmische Zwischenrufe links.) Ich wiederhole: Das
Bild ist nicht nur „merkwürdig",--(Andauernde stürmische
Unterbrechungen. — Glocke des Präsidenten.)
Vizepräsident Or. Bell: Meine Herren! Ich bitte umRuhe. Sie können ja ihre Gegenäußerungen nachher bei derAussprache vorbringen. (Stürmische Zurufe links.)
Or. Helfferich: Das Bild ist nicht nur „merkwürdig",sondern was dem deutschen Volke geschieht, ist unerhört uudunerträglich: und daß wir diese Lage als unerhört und uner-träglich empfinden — — (Andauernder großer Lärm und Zu-rufe links. — Glocke des Präsidenten.) Daß wir nnsere Lageals unerhört und unerträglich empfinden, das rufe ich hier lautin die ganze Welt hinaus! (Andauernde erregte Zurufe links.^ Gegenruse rechts. — Glocke des Präsidenten.)
Vizepräsident Or. Bell: Meine Herren, ich muß bitten,doch Ihre Plätze einzunehmen. Es muß hier jede Partei dasRecht haben, zu sprechen. (Erregte Zurufe liuks.) — Nachherkommen Sie ja ebenfalls zum Wort. (Abgeordneter Vogtherr:Der gehört ins Zuchthaus und nicht in den Reichstag !) -Herr Abgeordneter Vogtherr, wegen dieser Aeußerung rufe ichSie zur Ordnung.
Or. H elffe ri ch: Meine Damen und Herren! Sie werdendiesen unerhörten Zustand nicht ändern durch Ihre Zurufe,im Gegenteil! (Erneute Zurufe und große Unruhe links. —Glocke des Präsidenten.)
Vizepräsident Or. Bell: Meine Herren, so können wir un-möglich fortfahren und die Geschäfte weiterführen. Das wider-spricht jedem parlamentarischen System, einen Redner nicht zuWorte kommen zu lassen. (Andauernde Unterbrechungen links.)- Sie müsse« den Herrn Abgeordneten Helfferich genau soreden lassen wie jeden andren Redner. (Erregte Rufe MN"